Sport : Schlecht belohnt

Union spielt engagiert und diszipliniert, der KSC siegt 3:2

Christoph Kieslich

Karlsruhe. Mit einem unkontrollierten Tackling hat Hristo Koilow einem Spiel, das in einer bewegten zweiten Halbzeit auf der Kippe stand, wahrscheinlich die entscheidende Wendung gegeben. Nach der Gelb-Roten Karte für den neben Steffen Baumgart auffälligsten Berliner, geriet der 1. FC Union im Fußball-Zweitligaduell beim Karlsruher SC erneut in Rückstand und verlor die Partie 2:3 (0:1). Seit fünf Spielen wartet die Mannschaft von Trainer Iwan Tischanski nun schon auf einen Sieg, und Abwehrspieler Ronny Nikol brachte die Situation auf eine einfache Formel: „Jetzt sind wir unten drin.“

Immerhin durfte sich Union im Wildparkstadion schlecht belohnt fühlen für eine engagierte, taktisch disziplinierte Leistung. Weitgehend hatten die Gäste das Spiel in der ersten Hälfte kontrolliert, die Abwehr, die sich zuletzt 15 Gegentore erlaubt hatte, stand sicher. Ein einziger unaufmerksamer Moment reichte aber, um die Berliner auszuhebeln: Routinier Bruno Labbadia warf sich an Tom Persich vorbei in eine Freistoßflanke von Marco Engelhardt und köpfte den Ball in der für ihn so typischen Manier ein.

Viel mehr brachte der KSC, der zuvor zu Hause noch kein Spiel gewonnen hatte und dem die daraus resultierende Verunsicherung anzumerken war, nicht zu Stande. Mit der Einwechslung eines dritten Stürmers setzte Iwan Tischanski nach dem Seitenwechsel endgültig die Zeichen auf beherzte Vorwärtsbewegung, und die Mannschaft ließ sich nicht zweimal bitten.

Einen Fehler von KSC-Kapitän Waterink nutzte Baumgart mit seiner Routine und einem überlegten Abschluss zum Ausgleich, keine drei Minuten später legte Sreto Ristic in einem seiner eher seltenen lichten Momente den Ball perfekt für Koilow zur 2:1 Führung auf. In dieser Phase nach gut einer Stunde verpasste es Union, dem Gegner weiter zuzusetzen. Stattdessen traf Aydin Cetin, der nach der Einwechslung von Bernhard Trares aus der Position hinter den Spitzen nach ganz vorne gerückt war, mit einem vom stürmischen Wind begünstigten Ball, der sich als Bogenlampe über den weitgehend tadellosen Union-Torwart Sven Beuckert ins äußerste Toreck senkte. „Ein Kunstschuss, wie er nicht alle Tage passiert“, anerkannte Union-Kapitän Menze zerknirscht.

Der Doppelpass der alten Hasen Labbadia (37) und Trares (38) gab der Partie eine weitere Wende, die sich nach dem Spielverlauf im zweiten Durchgang nicht unbedingt aufgedrängt hatte. Dass Union in der Schlussphase trotz Unterzahl noch zwei erstklassige Chancen durch Salif Keita und Menze besaß, macht diese Niederlage noch schmerzhafter. „Wir sind selbst schuld“, haderte Nikol, und Beuckert plädierte dafür, jetzt „den Kopf nicht hängen zu lassen“. So wollte auch Tischanski die 90 Minuten bewertet wissen. „Von den letzten fünf Spielen war das heute unser bestes.“ Lorenz-Günther Köstner scheint aber mit dem KSC einen Schritt weiter: „Eine Weltklasse-Moral“ attestierte der neue KSC-Trainer seinen Spielern, „damit kann man auch größere Berge versetzen“.

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