Sport : Schlusspunkt einer Ära

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Hatte Marko Pesic sich verzählt? Als sei er schon Deutscher Meister, jubelte Alba Berlins Aufbauspieler nach dem zweiten Basketball-Finale, dabei fehlt dafür noch ein Sieg. Nach der Schlusssirene lief er in der Max-Schmeling-Halle als einziger Spieler zu den Fans hinter der Bande und klatschte deren Hände ab. Hätte ihm jemand eine Sektflasche gereicht, wahrscheinlich hätte er auch Schampus in der Halle verspritzt. Seine Teamkollegen standen derweil im Mittelkreis und beobachteten den aufgedrehten Mitspieler. Sogar Marko Pesic sagte selbstkritisch: „Ich muss aufpassen, dass ich auf dem Boden bleibe, wir haben ja noch ein Spiel.“

Der 97:85-Erfolg vom Mittwoch dürfte jedoch bereits das Meisterstück der Berliner gewesen sein. „Wenn wir am Samstag in Köln gewinnen, war das heute das beste und schönste Spiel dieser Saison“, schwärmte Albas Vereinspräsident Dieter Hauert über das in der zweiten Halbzeit hochklassige Finale. Sein Verein führt nun in der Finalserie nach dem Modus „Best-of-five“ mit 2:0 und benötigt nur noch einen Sieg am Samstag (14.10 Uhr, live im DSF) über Rhein Energy Cologne, um zum sechsten Mal in Folge Meister zu werden.

Marko Pesic jedoch hatte jeden Grund zu feiern. 26 Punkte erzielte der 25-Jährige, vier von fünf Dreipunktewürfen traf er, fünf Assists reichte er seinen Mitspielern. „Das war das beste Spiel, das ich je von ihm gesehen habe“, lobte Mannschaftskapitän Henrik Rödl. Schon in Spiel eins (82:68) hatte sich der Sohn des Kölner Trainers hervorgetan, am Mittwoch aber hatte er der Mannschaft seines Vaters Svetislav Pesic den Nerv gezogen. Immer, wenn es wichtig war, traf er. Mit sieben Punkten in Folge führte er Alba vor der Pause heran, im dritten Viertel sorgte er mit zehn Punkten für die Vorentscheidung. „Ich ärgere mich nicht über Marko“, sagte Kölns Trainer über die Leistung seines Sohnes, „ich freue mich immer, wenn er gut spielt.“ Svetislav Pesic lobte beide Teams: „Das war eines der besten Spiele, die es in der Bundesliga je gegeben hat.“

Doch wirklich erfreut wirkte Kölns Coach nicht. In der Pressekonferenz beschwerte er sich über zwei Schiedsrichterentscheidungen im dritten Viertel. Stephen Arigbabu hatte ein Technisches Foul bekommen, Reggie Bassett ein Absichtliches Foul. Beide Entscheidungen waren zu vertreten. Doch Pesic sagte: „Diese Fouls habe ich nicht gesehen, damit haben uns die Schiedsrichter aus dem Rhythmus gebracht.“ Er stichelte weiter. „Es kann nicht sein, dass Wendell Alexis in Köln 30 Minuten lang ohne Foul bleibt.“ Auch hätte Kölns Zoran Kukic Alexis klar in den Schatten gestellt. Die zweite Finalniederlage scheint Svetislav Pesic mehr zu treffen als die erste. Vielleicht, weil er erkennen musste, dass seine Mannschaft selbst in bester Form nicht in der Lage ist, Alba zu bezwingen. „Jetzt müssen wir es am Samstag versuchen“, sagte der Coach.

Womöglich aber bemerkt Svetislav Pesic, dass diese Finalserie den Schlusspunkt unter seiner siebenjährigen Ära bei Alba setzt. Er ist nun nicht mehr der einzige, der mit Alba Erfolg hat, es funktioniert auch ohne ihn. Am Samstag kann Alba nach dem Pokalsieg den zweiten Meistertitel ohne Svetislav Pesic holen. Die Finalserie gegen den alten Trainer bietet Alba die Gelegenheit, sich endgültig von ihm zu lösen. „Gegen Svetislav Pesic ist man besonders motiviert“, sagte Jörg Lütcke. Auch die 10 032 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle illustrieren eine andere Ära. Noch nie besuchten so viele Zuschauer in Berlin ein Alba-Spiel. „Vielleicht haben wir in Zukunft zwei oder drei Spiele in der Saison mit 10 000 Zuschauern, aber es werden auch wieder 4500 kommen“, sagte der Vereinspräsident. Für die Finanzen wäre womöglich ein viertes Spiel am Montag (20.15 Uhr) in Berlin nicht schlecht. Dazu müsste Alba jedoch in Köln verlieren. „Das kommt überhaupt nicht in Frage, da verzichte ich lieber auf die 200 000 Mark“, sagte Hauert, „am Ende geht die Meisterschaft noch schief.“ Auch Wendell Alexis sehnt das Saisonende herbei. „Wir haben genug von Burkhardt Prigges Scouting Reports“, sagte der US-Amerikaner. Zu viel Papier würde der Kotrainer verschwenden. „Burkhardt ist der schlimmste Feind der Bäume“, erklärt Alexis und grinst. Jetzt kann er am Samstag auch noch etwas für die Natur tun.

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