Sport : Schmerzhafte Statistik

Hertha hat in Leverkusen erst ein Mal gewonnen

Mathias Klappenbach

Berlin - Falko Götz hatte gerade seine Karriere als Spieler beendet und war Trainer bei den Amateuren von Hertha BSC geworden, und Niko Kovac spielte noch in Leverkusen. Man muss schon ein bisschen zurückdenken, um sich an den letzten Sieg von Hertha BSC in Leverkusen zu erinnern. Es war im Mai 1998, als Kjetil Rekdal einen Foulelfmeter für Hertha zum 1:0-Sieg verwandelte. Dieser Erfolg war nicht nur der letzte, sondern auch der bislang einzige der Berliner in der Bundesliga bei Bayer, neben einem Unentschieden verlor Hertha dort acht Mal.

Gerade an die vergangenen beiden Spielzeiten denken die Berliner nicht gerne zurück, Leverkusen siegte jeweils 4:1. „Wir haben dort immer gut begonnen“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Aber auch als Bayer fast schon abgestiegen war und wir in Führung gingen, haben wir noch klar verloren.“ Das war vor zwei Jahren, als Leverkusen in der Tabelle unten stand und Hertha oben. Im vergangenen Jahr war das umgekehrt, mit dem gleichen Ergebnis. Einen besonderen Grund dafür, dass es für Hertha in Leverkusen in der Vergangenheit so wenig zu holen gab, weiß im Verein aber niemand zu nennen.

Viel lieber weisen die Verantwortlichen zuversichtlich darauf hin, dass Hertha derzeit die beste Auswärtsmannschaft der Liga ist, fünf der letzten sieben Spiele haben die Berliner gewonnen. Zudem ist der Gegner ersatzgeschwächt und nach dem Ausscheiden in der Champions League angeschlagen. „Wir müssen die Schwachpunkte in der Abwehr ausnutzen. Und gleichzeitig gut aufpassen, die haben vorne gute Leute“, sagt Hoeneß. Hertha spielt heute gegen die schwache Statistik und kann nebenbei auch einen Konkurrenten um einen Uefa-Cup-Platz abhängen.

Für Falko Götz wäre ein Sieg zudem auch privat ein kleiner Triumph. Herthas Trainer hat enge persönliche Beziehungen nach Leverkusen, wo er in den Achtzigerjahren nach seiner Flucht aus der DDR landete und fünf Jahre lang spielte. Dort hat er seine Frau kennen gelernt, seine Schwester wohnt in der Nähe des Stadions. Seine acht Jahre alte Nichte wird heute mit zwei Trikots zum Spiel gehen, einem von Hertha und einem von Leverkusen. Trotzdem gilt ihre Vorliebe eigentlich Bayer, deswegen trägt sie dieses Trikot auch immer oben. „Mit 1860 München habe ich in der vergangenen Saison 2:2 in Leverkusen gespielt. Da habe ich von ihr voll einen in die Rippen gekriegt“, sagt Götz. Wenn Hertha heute siegen sollte, wird sie ihm dafür vielleicht wieder Schmerzen zufügen. Aber Falko Götz wird sie in diesem Fall vermutlich tapfer ertragen.

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