Sport : Schneeball

Champions League auf Skandinavisch: Heute wird erstmals das Finale der Royal League ausgetragen

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Berlin Der Mai ist ein besonderer Monat für Anders Almgren und die anderen Mitglieder des Fanklubs „Änglarna“. Im Mai vor 23 Jahren gewann ihr Verein, IFK Göteborg, durch zwei Siege gegen den Hamburger SV erstmals den Uefa-Cup. „Das feiern wir jedes Jahr wieder“, sagt Almgren. Weil Anders Almgren kein Heimspiel seiner Mannschaft verpasst, wird er auch heute Abend im Stadion sein, wenn es im Göteborger Ullevi wieder um eine internationale Trophäe geht. Göteborg trifft im Endspiel der Royal League auf den FC Kopenhagen. Mit einem vollen Stadion rechnet Almgren allerdings nicht. „Die Royal League hat in Schweden keinen guten Ruf.“

Vor einem Jahr haben die Landesverbände der Königreiche Norwegen, Schweden und Dänemark die Royal League ins Leben gerufen. Grund dafür war die anhaltende Erfolglosigkeit skandinavischer Klubs in der Champions League und im Uefa-Cup sowie die Idee, die lange Winterpause von Oktober bis April mit attraktiven Spielen zu überbrücken.

Die besten vier Klubs aus jedem Land qualifizieren sich, und wie in der Champions League gibt es einen Topf, aus dem je nach Erfolg Prämien gezahlt werden. Umgerechnet 150 000 Euro beträgt die Antrittsprämie, maximal 1,2 Millionen gibt es für den Sieger. Im Vergleich zur Champions League ist das ein Witz, für einen Verein wie Tromsö IL aus Nordnorwegen ist es viel Geld.

Die Spiele werden live im Fernsehen übertragen, doch der sportliche Wert der Royal League ist begrenzt. Von der ersten Saison werden vor allem Bilder von einsamen Zuschauern auf verschneiten Tribünen bleiben und von Spielern, die auf vereisten Böden umherrutschen, während ihnen der Wind den Schnee waagerecht ins Gesicht bläst. Dank Rasenheizung wurde im Dezember das Spiel Tromsö gegen den FC Kopenhagen im Freien auf Naturrasen ausgetragen – 500 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Ein anderes Heimspiel Tromsös musste wegen Stadionumbauten in einer Halle mit Kunstrasen im 400 Kilometer entfernten Bodö gespielt werden. 811 Zuschauer wollten den Kick sehen, ein Vielfaches der Kulisse, die sich in Schweden zur Vorrundenpartie Halmstads BK gegen Odense versammelte. Der Platz in Halmstad war wegen starken Schneefalls unbespielbar geworden, weshalb die Begegnung kurzerhand in die Stadt Örebro verlegt wurde. Es kamen 86 Zuschauer.

„Es ist schon eine Herausforderung, im Winter auf diesen Plätzen zu spielen“, gibt auch Rune Bratseth zu. Bratseth kennt sich aus im europäischen Fußball. Mit Werder Bremen gewann er 1992 den Europapokal der Pokalsieger, heute ist er Sportdirektor beim norwegischen Meister Rosenborg Trondheim, dem einzigen Klub aus Skandinavien, der regelmäßig in der Champions League spielt. Trotz der Wetterprobleme hält er die Royal League für eine gute Sache. „Es ist besser, als langweilige Freundschaftsspiele auszutragen“, sagt Bratseth. „Durch die Reisen nach Schweden und Dänemark gibt es einen Länderspieleffekt. Es geht um etwas.“ Zwar sei die Royal League nicht mit dem Europapokal vergleichbar, „aber sie ist ein gutes Training dafür“.

In diesem Jahr hat Rosenborg das Finale durch eine Niederlage im letzten Gruppenspiel in Malmö verpasst. Die Gelegenheit, den ersten Sieg im zunächst auf fünf Jahre angelegten Wettbewerb zu holen, haben nun andere. Für die Fans von IFK Göteborg ist das zweitrangig. Wichtiger ist für sie das Göteborger Lokalderby gegen Örgryte IS, das IFK am Dienstag 3:0 gewonnen hat. Und im Juli beginnt schon der UI-Cup. Da geht es um einiges: IFK Göteborg will sich endlich wieder für den Uefa-Cup qualifizieren.

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