Sport : Schneeforscher (IX): Mit Rot zum Gold

Jörg Petrasch

Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr? Und wer sind die Favoriten beim Snowboard? Der Wintersport ist vielfältig und mitunter kompliziert. In dieser Serie stellen wir Ihnen die 13 olympischen Wintersportarten vor.

Es muss an der Haarfarbe liegen. Seit sich Ronny Ackermann vor drei Jahren für Feuerrot entschieden hat, geht es für ihn sportlich bergauf. Damals hatte der nun 24-jährige Nordische Kombinierer noch vor, blau oder grün auszuprobieren. Aber er blieb seiner Farbe treu. "Es ist zwar ein bisschen Aberglaube dabei, aber ich kann Rot nur empfehlen." Dazu noch ein goldener Ring im linken Ohr und viel Selbstbewusstsein - das ist Ronny Ackermann. "Er steht gern im Mittelpunkt und will auffallen", sagt Bundestrainer Herman Weinbuch, "aber er will auch ganz nach oben, und dafür arbeitet er hart." In diesem Winter belegt Ackermann bislang den zweiten Platz in der Weltcupgesamtwertung, hinter seinem Dauerrivalen Felix Gottwald aus Österreich. Für die Olympischen Spiele hat er klare Ziele: "Ich will Medaillen im Einzel und mit der Mannschaft gewinnen." Die letzte Einzelmedaille errang Uli Wehling vor 22 Jahren.

So zielstrebig war der Thüringer vom WSV Oberhof aber nicht immer. Als Jugendlicher hatte er den Ruf eines "schlamperten Talents", ein Luftikus, der zwar national alles gewann, aber das Training nicht so ernst nahm. Gern zog er damals mit Freunden um die Häuser. Das ist nun vorbei. "Er hat einen Entwicklungsprozess durchgemacht und ist ein konsequenter Athlet geworden", sagt Weinbuch. 1999 gewann der Sportsoldat im finnischen Vuokatti seinen ersten Weltcup und beendete damit eine fast 13-jährige Leidenszeit der Deutschen in der Nordischen Kombination. Seitdem gehört Ackermann zur Weltspitze. 2001 wurde er in der Gesamtwertung Zweiter und holte WM-Bronze in Lahti. "Ronny ist ein sportliches Vorbild für seine Mannschaftskameraden", lobt Verbandssprecher Marc Schneider.

Aber ein Vorbild mit einem sehr eigenen Kopf, der immer überzeugt werden will. Das führt manchmal zu hitzigen Wortgefechten mit dem Bundestrainer. "Da wird der Ronny schon mal lauter", sagt Weinbuch, "auf der anderen Seite kann man ihn auch mal zusammenscheißen, ohne dass er nachtragend ist." Ackermann selbst ist sich über seinen Charakter im Klaren und pflegt ihn entsprechend. In der "Thüringer Allgemeinen" verteidigte er sich so: "Ich weiß, dass meine direkte Art nicht immer gut ankommt. Aber so bin ich eben: ehrlich mir gegenüber und ehrlich zu meinem Gegenüber. Ich spreche an, was mich bedrückt. Ich sage einfach die Wahrheit. Was ist daran so schlimm?"

Als seine Stärken gibt Ackermann inzwischen Motivation und Zielstrebigkeit an. Risikobereit ist er nach eigener Aussage aber weiterhin, der Sprung ist seine Lieblingsdisziplin. Beim Weltcup in Val di Fiemme übertraf der Kombinierer den Schanzenrekord vom polnischen Skisprungstar Adam Malysz um einen halben Meter. Und genau dahin will Ackermann seinen Sport bringen. Zur Popularität der Skispringer. Mit den Helden Hannawald und Schmitt will er gleichziehen. Olympia kommt da gerade recht.

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