Sport : Schneeforscher (VII): Der Bob-Opa

Benedikt Voigt

Wissen Sie, was der V-Stil ist? Kennen Sie Jaromir Jagr? Und wer sind die Favoriten beim Snowboard? Der Wintersport ist vielfältig und mitunter kompliziert. In dieser Serie stellen wir Ihnen die 13 olympischen Wintersportarten vor.

Auf seiner Homepage hat Christoph Langen ein Alphabet angelegt. Von A wie Athleten und Auslosung bis Z wie Zeitmessung erklären sämtliche Buchstaben ein Detail aus dem Bobsport. Nur mit dem Ypsilon hatte Langen ein Problem, im Bobsport scheint es nicht viel zu geben, was mit diesem Buchstaben anfängt. Am Ende ist ihm "Yeti" eingefallen. Langen schreibt: "Obwohl in den winterlichen Bergregionen dieser Welt zuhause, ist uns dieser Sportsfreund noch nie begegnet."

Schade, man hätte ihm auch das zugetraut, denn Christoph Langen ist der Reinhold Messner des Bobsports. Wie der Bergsteiger, der den Yeti von Angesicht zu Angesicht kennen will, besitzt Langen den höchsten Bekanntheitsgrad in seiner Disziplin, dem Bobfahren. Und er ist ebenso eigenwillig. "Ich bin ein ziemlich schwieriger Typ", soll er mal gesagt haben, und weil dieser Satz Eingang in das Munzinger-Archiv fand, wird ihn dieses Image als Querkopf wohl so schnell nicht verlassen. Aber es scheint auch etwas dran zu sein.

Anfang Dezember boykottierte er einen neu geschaffenen internationalen Wettbewerb des Internationalen Bobverbandes (FIBT), weil ihm das Preisgeld von 17 000 Mark im Vergleich zu den Einnahmen des Verbandes durch Werbe- und Fernsehgelder zu gering war. "Wir sind die teuerste Wintersportart", beschwerte sich Langen, "für das Geld fahre ich lieber zu meiner Freundin, da habe ich mehr davon." Weil sich Raimund Bethge hinter diesen Boykott stellte, wurde der deutsche Bundestrainer sogar aus der Sportkommission des internationalen Verbandes geworfen. Als "Skandal im Internationalen Bobverband" schlug sich das Ganze dann in den Zeitungen nieder.

Geld ist überhaupt ein wichtiges Thema für Christoph Langen. Bis zu 40 000 Euro kostet ein Bob, ein Satz neuer Kufen schlägt sich mit 10 000 Euro als Ausgabeposten in der Bilanz nieder. Langen, der wie besessen an seinem Bob herumtüfteln kann, lässt seine wertvollen Kufen nie aus den Augen. Nachts schiebt er sie unter das Bett. "Ich schlafe dann auf meinen Kufen." Für einen Weltcupsieg bekommt Langen 1500 Euro Prämie, damit kann er gerade so seine Transport- und Übernachtungskosten für das Viererbobteam plus den beiden Betreuern decken. Angesichts der Summen, die sich im Skispringen oder alpinen Skifahren verdienen lassen, wirkt Langen frustriert. "Einem jungen Mann, der Sportler werden will, kann ich guten Gewissens sagen, dass Bobfahren die beschissenste Disziplin ist", sagte er gegenüber der "Welt".

Oder will er vielleicht nur verhindern, dass Konkurrenz nachwächst? Immerhin ist er trotz seiner 39 Jahre immer noch der erfolgreichste aktive Bobpilot in Deutschland. Als ältester deutscher Olympiastarter möchte er aus dem Zweier- und Viererbobwettbewerb zwei olympische Medaillen mit nach Hause bringen. Drei Stück hat er schon und acht Weltmeistertitel auch. Seine Erfolge verdankt der Hauptfeldwebel, wenn man das so kurz zusammenfassen darf, seiner Athletik und Akribie beim Bobbau. Seit 17 Jahren rast der Bob-Opa schon durch die Eiskanäle. "In einem, maximal zwei Jahren kommt der Hammer", sagt Langen. Dann kann er sich auf die Suche nach dem Yeti machen.

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