Sport : Schnell und schlau

Vor dem Spiel gegen Köln loben Albas Basketballer Spielmacher Hollis Price

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Dieser Angriff ist wichtig, das Basketball-Bundesligaspiel zwischen den Artland Dragons Quakenbrück und Alba Berlin befindet sich in einer entscheidenden Phase der zweiten Halbzeit. Hollis Price dribbelt mit dem Ball über die Mittellinie, der Aufbauspieler dreht seinen Kopf nach links in Richtung seines Vorgesetzten Henrik Rödl, der mit verschränkten Armen vor der Bank von Alba Berlin steht. Price wartet darauf, dass ihm sein Trainer anzeigt, welchen Spielzug er wählen soll. Doch Henrik Rödl regt sich nicht, seine Arme bleiben verschränkt. Also wählt Price selbst aus und lässt sein Team einen Spielzug ausführen, an dessen Ende er selbst zum Wurf kommt. Der Amerikaner trifft – und Alba gewinnt.

Das passierte vor zwei Wochen, es war das erste Pflichtspiel der Berliner. Der 26-Jährige hat nicht lange gebraucht, um der Führungsspieler bei Alba zu werden. „Er ist ein so schlauer Point Guard, wie ich mir das vorstelle“, sagt Center Jovo Stanojevic. Hollis Price sei zwar keiner, der in der Kabine und während des Trainings viel spreche, „aber auf dem Feld ist er klar das Hirn unseres Teams“.

Dass ein Aufbauspieler die klare Nummer eins ist, das hat Alba in der enttäuschenden vergangenen Saison gefehlt. Der Spielmacher Mithat Demirel war zwar gleichzeitig Kapitän der Mannschaft, doch in der Startformation stand zumeist der US-Amerikaner Gerald Brown. „In diesem Jahr haben wir eine sehr eindeutige Struktur“, sagt Vizepräsident Marco Baldi.

Wahrscheinlich ist auch das ein Grund dafür, dass die Berliner bislang alle ihre fünf Bundesligaspiele gewonnen haben. „Ich hoffe, dass diese Serie auch am Samstag nicht reißt“, sagt Hollis Price, der heute Geburtstag hat. Um 18.30 Uhr spielt er mit seiner Mannschaft in der Max-Schmeling-Halle gegen Rhein Energie Köln (live auf Premiere).

„Unsere Stärke ist, dass wir in der Offensive so viele Waffen haben“, sagt Hollis Price. „Aber weil sich der Ball meistens zuerst in meinen Händen befindet, bin ich einer unserer Schlüsselspieler.“ Die Berliner sind sehr abhängig von Hollis Price. Der zweite Aufbauspieler hinter ihm ist der 20-jährige Martynas Mazeika, ein großes Talent, aber kaum in der Lage, ein gesamtes Spiel alleine zu lenken. Auch Mike Penberthy übernimmt hin und wieder den Aufbau, für den rasanten Stil, den die Berliner in diesem Jahr spielen, ist er als Spielmacher allerdings nicht schnell genug. Der 30-Jährige kann sich auf den Flügelpositionen besser in Szene setzen.

„Im Vergleich zur vergangenen Saison ergänzt sich unser Kader mehr und ersetzt sich nicht so“, sagt Marco Baldi. „Deshalb schmerzen uns Ausfälle umso mehr.“ Alba geht in dieser Saison daher ein größeres Risiko ein. Bei Price hält sich das in Grenzen. „Ich war schon häufiger verletzt“, sagt er zwar, fügt aber hinzu: „Ich habe in meiner Karriere sieben Spiele verpasst.“

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