Sport : Schnellschuss mit Sprengkraft

Neuer Europapokal sorgt für Streit im Basketball.

Marvin Clignon

Berlin - Vielleicht wird mit „Rilski Sportist Samokow“ die Basketball-Revolution beginnen. Zumindest wenn es nach den Plänen des Weltverbandes Fiba geht. Als einer von 56 Teilnehmern wurde auch der Verein aus der südbulgarischen Kleinstadt für den neuen europäischen Wettbewerb mit dem Namen Fiba Euro Cup nominiert und reiht sich damit in eine Liste von Teams ein, die selbst den versiertesten Basketball-Fans in Europa wohl Fragezeichen auf die Stirn treibt. Hochklassig wirkt das aufgeblähte Teilnehmerfeld nicht und ähnelt damit sehr der Eurochallenge, einem drittklassigen Wettbewerb, der bisher auch von der Fiba organisiert und von den großen Basketball-Nationen meistens ignoriert wurde.

Mit Drittklassigkeit soll bei der Fiba jetzt aber endlich Schluss sein. Der Weltverband lässt gegenüber der Vereinigung europäischer Basketballligen (Uleb), die nun seit fast 15 Jahren die beiden wichtigsten Wettbewerbe Euroleague und Eurocup ausrichtet, die Muskeln spielen. Dafür wird nun an mehreren Fronten angegriffen: Vereine sollen mit erhöhten Antrittsgagen in neue Wettbewerbe gelockt werden, während die nationalen Ligen im Hintergrund von heimischen Verbänden unter Druck gesetzt werden.

Ob diese Taktik aufgeht, ist fraglich. „Ich bin kein Jurist“, sagt Marco Baldi, „aber ich glaube, da begeben wir uns auf sehr rutschiges Parkett.“ Der Geschäftsführer von Alba Berlin sieht zumindest in Deutschland keinen großen Grund zur Sorge: „Wir haben eine selbstständige Liga und wir haben den DBB, der zu 25 Prozent an der Liga beteiligt ist. Wir haben einen Grundlagenvertrag zwischen der Liga und dem DBB, also klare Regelungen.“ Der Spielraum des Deutschen Basketball-Bunds (DBB) ist also rechtlich gesehen nicht groß, zudem bestand zwischen Liga und Verband in den letzten Jahren eine gute Zusammenarbeit. Baldi räumt allerdings auch ein, dass nicht alle europäischen Ligen so autonom seien und es in anderen Ländern auch noch eine hohe Verbandsabhängigkeit gebe. Dort könnte der Druck der Fiba künftig mehr bewirken.

Jedoch konnte der Weltverband bisher auch mit dem zweiten Trumpf, dem Geld, keine nennenswerte Spaltung erzielen. So wurden den namhaftesten Vereinen der Euroleague, wie Real Madrid oder Panathinaikos Athen, erfolglos rund 3,5 Millionen Euro geboten, um in Zukunft den Wettbewerb zu wechseln. Stattdessen demonstrierten die elf fest gesetzten Vereine Geschlossenheit, indem sie der Fiba im Juli mit einem offenen Brief antworteten. Tenor: Auch in Zukunft solle die Ausführung der Wettbewerbe in Händen der Vereine bleiben und jedes weitere Angebot müsse mit allen Klubs gemeinsam verhandelt werden.

Baldi kann zwar nicht ausschließen, dass das eine oder andere Team aus dem erweiterten Kreis der Euroleague in Zukunft die Seiten wechselt, schließlich gebe es immer individuelle oder politische Interessen, „aber die Einführung der neuen Fiba-Wettbewerbe wirkt ziemlich unvorbereitet, ein ziemlicher Schnellschuss“. Das bewies der Weltverband auch, als die Teilnehmerzahl einen Tag vor der Gruppenauslosung von 64 auf 56 Mannschaften (statt ursprünglich sogar 100) gekürzt wurde. Einige Vereine, die bereits eine Antrittsgebühr hinterlegt hatten, wurden einfach wieder ausgeladen.

Mit der Großoffensive sollen offenbar die Pläne des Weltverbandes durchgedrückt werden, ab 2017 Qualifikationsspiele der Nationalmannschaften während der Saison durchzuführen. Damit sollen auch die Einnahmen der Verbände steigen. Ein Vorschlag, der bei den Vereinen wegen des bereits bestehenden Termindrucks allerdings nicht gut ankam und durch bestehende Vertragsvereinbarungen auch nicht leicht durchzusetzen wäre.

Obwohl die Fronten festgefahren scheinen, hält sich der Schaden für alle Beteiligten noch in Grenzen. Die Fiba testete ihre Möglichkeiten bisher nur aus und hat nun ein Jahr Zeit, ein Konkurrenzprodukt zur Euroleague zu organisieren. Die europäischen Ligen konnten dagegen bisher Geschlossenheit demonstrieren: Wenige Eurocup-Teilnehmer wechselten den Wettbewerb, darunter auch Alba Berlins Gruppengegner Oostende, der durch Ludwigsburg ersetzt wurde. „Der Aufschlag der Fiba war hart und massiv“, sagt Baldi, dennoch habe sich bisher nicht viel geändert. Zumindest in diesem Jahr müssen sich die Basketball-Fans vielleicht doch nicht an den Namen von Rilski Sportist Samokow gewöhnen. Marvin Clignon

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