Sport : Schöne Bilder

Die mühsame Vermarktung der German Open im Frauentennis

Frank Bachner

Berlin. Jürgen Boom sah die jungen Leute, und als Erstes dachte er: „Oh, Gott, hoffentlich wird das auch was.“ Er hatte hier ja nun einen überaus wichtigen Termin. Er saß bei Marketing-Experten eines Unternehmens „aus der Banken/Versicherungsbranche“ (Boom), und die wollte er als Premiumsponsor für das Frauen-Tennisturnier German Open 2004 in Berlin gewinnen. Damit hatte der Deutsche Tennis Bund (DTB) den Chef des niedersächsischen Verbandes beauftragt. Und diese jungen Leute von einer Werbeagentur hatten eine Präsentation der German Open und der Entwicklung von Tennis in Deutschland erstellt. „Die haben das hervorragend gemacht“, sagt Boom. Das Ganze hatte nur einen Haken: Die mutmaßlichen Geldgeber waren weit weniger beeindruckt. „Die Begeisterung war nicht so groß, wie wir uns das gewünscht hatten“, gibt Boom zu. „Aber es gibt einen winzigen Hoffnungsschimmer.“ Auf jeden Fall: In drei Wochen will sich das Unternehmen entscheiden.

Es ist halt auch mit einer guten Präsentation nicht einfach, das Turnier zu finanzieren. Der DTB selber geht jetzt auf Sponsorensuche, der bisherige Vermarkter IMG ist ausgestiegen. „Das Turnier ist nicht zufriedenstellend genug zu vermarkten“, lautete die IMG-Begründung. Turnierdirektor Eberhard Wensky lieferte nun eine weitere Begründung. In „Bild“ sagte er, IMG habe den DTB gedrängt, das Turnier zu verkaufen, damit der Marketing-Riese IMG die Chance habe, „das Turnier selbst für den asiatischen Markt zu kaufen und damit noch mehr Einfluss auf die WTA-Tour zu bekommen“ (Wensky). Die WTA ist die Welt-Frauentennis-Vereinigung. Wensky war gestern nicht zu erreichen.

„Wenskys Aussagen sind teilweise Blödsinn“, sagt Christian Pirzer, der Deutschland-Chef von IMG. „Wir haben dem DTB nur deshalb einen Verkauf des Turniers empfohlen, weil wir dauerhaft keine Chance zu einer guten Vermarktung sahen.“ 2003 machte das Turnier 400 000 Euro Verlust, zudem liefen in alle Sponsorenverträge aus. Pirzer: „Wir hatten nie die Absicht, das Turnier zu kaufen.“ Schon deshalb, weil das gar nicht erlaubt sei. Die WTA schreibe vor, dass ein Vermarkter nur eine bestimmte Anzahl von Topturnieren selber veranstalten dürfe. Diese Grenze habe IMG bereits erreicht.

Pirzer hat recht, sagt Ulrich Kroeker, der DTB-Vizepräsident: „IMG dürfte definitiv nicht das Turnier kaufen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die WTA das Turnier nach Asien verkaufen würde. Die WTA hat ein Interesse daran, dieses Turnier in Europa zu halten. Es ist ja die Vorbereitung auf die French Open.“ Richtig sei, dass IMG den Verkauf empfohlen habe. „Die hätten, wie schon 2003, auch 2004 50 Prozent der Verluste übernehmen müssen.“

Verluste muss nun die DTB-Holding, der Veranstalter, allein tragen. Die Holding durfte bis 15. August überlegen, ob sie doch verkaufen soll. So viel Zeit räumte die WTA ausnahmsweise ein. Eigentlich hätte schon Ende Juni alles klar sein müssen. „Wir wollen Deutschland ein Highlight erhalten“, sagt DTB-Chef Georg von Waldenfels. Sollte allerdings der schlimmste Fall eintreten – der DTB muss das Turnier doch absagen – , dann wird es einigermaßen dramatisch: Dann muss der Verband zum einen trotzdem die 1,224 Millionen Dollar Preisgeld an die WTA zahlen. Vor allem aber verliert er die Rechte an der Veranstaltung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben