Sport : Schöne Tage für Ribéry

Der Franzose glänzt in Düsseldorf und spielt jetzt gegen seinen Jugendklub.

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Der Ball dreht sich um seinen Fuß. Franck Ribéry trieb seine Bayern zum bisher besten Spiel der Saison. Foto: dapd
Der Ball dreht sich um seinen Fuß. Franck Ribéry trieb seine Bayern zum bisher besten Spiel der Saison. Foto: dapdFoto: dapd

Düsseldorf - Neben seinem elegant-rustikalen Verteidigungsstil und seiner gewaltigen Haarpracht besitzt Dante Bonfim Costa Santos noch ein drittes herausragendes Merkmal. Der Brasilianer hat einen so beruhigenden Singsang in seiner Stimme, dass bei ihm selbst schlimme Ereignisse wie das 4:4 der deutschen Nationalelf gegen Schweden im Rückblick ihren dramatischen Charakter verlieren. Ob er das Schweden-Spiel gesehen habe, wurde Dante nach dem 5:0 des FC Bayern München bei Fortuna Düsseldorf gefragt. Der 29-Jährige antwortete freundlich: „Ein bisschen, aber nix viel.“ Ein Thema war die fußballhistorische Peinlichkeit bei den Münchnern anschließend jedoch schon, immerhin standen gegen Schweden sieben Bayern-Profis auf dem Platz. „Alle waren enttäuscht und wir haben über das Spiel geredet“, berichtete Dante. „Sie haben gut reagiert.“

Dass der beste Münchner in Düsseldorf einer war, der mit dem 4:4 gegen Schweden nichts zu tun gehabt hatte, sprach zumindest nicht gegen diese These. Als treibende Kraft beim 5:0 gegen die Fortuna hatte sich der Franzose Franck Ribéry hervorgetan. Als uneingeschränkter Passkönig des Nachmittags – 110 Ballkontakte, drei Torvorlagen – parlierte er am Samstag noch lange über die bevorstehende Partie beim OSC Lille, am Dienstag in der Champions League. In seiner Jugend hat Ribéry für OSC gespielt. „Das waren die wichtigsten Jahre meiner Karriere“ , sagte der Mann aus dem 100 Kilometer von Lille entfernten Boulogne-sur-Mer. „Ich kann es nicht erwarten.“

Doch der Franzose sprach auch über die Gegenwart. Zum Beispiel über den Beschluss in der Pause, trotz 2:0-Führung nicht nachzulassen. „Wir haben uns bei Halbzeit vorgenommen, konzentriert auf mehr Tore zu spielen“, berichtete Ribéry, der vor der Pause bereits den ersten Treffer durch Mario Mandzukic aufgelegt hatte und nach dem Wechsel auch noch die Tore Nummer drei (Thomas Müller) und fünf (Rafinha) einleitete. Beim 2:0 durch Luiz Gustavo und Müllers zweitem Treffer war er ausnahmsweise nicht beteiligt – ein Sonderlob seines Kapitäns war ihm trotzdem sicher. „Wenn ich sehe, wie Franck auch defensiv arbeitet – das ist überragend“, sagte Philipp Lahm. „So muss es weitergehen, von Spiel zu Spiel. Dann ist es schwer, uns zu stoppen.“

Die vergangene Saison dient den Münchnern immer noch als Warnung. „Da haben wir mit gutem Vorsprung viel Scheiße gebaut“, murmelte Ribéry nachdenklich. Ganz anders war es am Samstag. „In Düsseldorf haben wir 90 Minuten gut gespielt. Wir sind stark, wir sind fit und wir haben eine gute Bank.“ Und mit nun acht Siegen zum Saisonstart haben die Bayern auch noch einen neuen Bundesligarekord aufgestellt. Trotzdem: „Auf dem Flug zurück nach München wird es keinen Champagner geben“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Und wir zeigen auch keine Schadenfreude Richtung Dortmund.“

Schon gar nicht Jupp Heynckes. Zwölf Punkte Vorsprung auf den BVB, dazu das gewaltige Torverhältnis von 26:2? Das große Ganze war dem Bayern-Trainer wichtiger. „Der Sieg heute war überragend“, sagte Heynckes. „Das war unser bestes Spiel in dieser Saison.“ Einen generellen Fortschritt hat Bastian Schweinsteiger ausgemacht. „Wir haben versucht, die Defensivarbeit schon vorne beginnen zu lassen“, erklärte der Nationalspieler. „Das ist der Unterschied zur vergangenen Saison.“ Das war auch der Unterschied zum 4:4 gegen Schweden vier Tage zuvor. Ein Trauma, das die Bayern fürs Erste überwunden haben, so dass sie nun in Lille die Scharte vom 1:3 bei Bate Borissow vor drei Wochen auswetzen wollen. „Wir sind da ein bisschen unter Zugzwang“, sagte Lahm, „und so muss die Mannschaft auch auftreten.“ Andreas Morbach

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