Sport : Schöner scheitern Ein Buch über Sport

als sinnliche Erfahrung

Mathias Klappenbach

Die Geschichten können ja gar nicht alle stimmen. Wenn die vielen Leute, die von sich behaupten, „früher ein guter Sportler gewesen zu sein“, dies auch tatsächlich waren, würde Deutschland bei den Olympischen Spielen den Medaillenspiegel anführen. Die Wahrheit ist, dass Sport zu treiben auch bedeutet, still zu verlieren und zu scheitern. Es ist seit etwas längerer Zeit in, mit diesen Niederlagen oder, je nachdem wie man es sieht, sportlichen Erfolgen zu kokettieren. Da gilt der dritte Platz beim Schwimmen im Zeltlager für den Sportler genauso viel wie eine Goldmedaille für Deutschland. Aber das ist nur eine von vielen Welten, die der schön gestaltete Sammelband „Vierter“ mit seinen Texten, Fotos und Zeichnungen eröffnen möchte.

Sport ist Kultur, und hier schreiben prominente und weniger prominente Fotografen, Schriftsteller, bildende Künstler und Radiomoderatoren über ihren Zugang dazu. Der kann sehr persönlich sein wie der Sand in der Tüte mit der Kleidung des verstorbenen Vaters, der auf dem Tennisplatz einen Herzinfarkt bekommen hatte. Oder sehr verquer über die Bedeutung der Aerobic-Videos von Jane Fonda in Russland, als diese den Frauen 1990 frei zugänglich wurden und sie nun westlich sexy turnen konnten. Sport ist sinnliche Erfahrung. „Swoosh“ macht es, wenn der ideal geworfene Basketball durchs Netz geht, und wenn „das Spiel ist aus“ gerufen wird, weiß jeder, dass Deutschland Weltmeister ist. Es gibt tausende denkbare Ansätze und Formen, sich dem Phänomen zu nähern. „Vierter“ versammelt in 27 Beiträgen einige davon, ohne erkennbares System.

Und genau darum geht es den Herausgebern, zu denen auch der Basketball-Intellektuelle Henning Harnisch gehört. Sport ist Kultur, und Sport ist persönliche und intellektuelle Erfahrung. Die ist bei jedem anders. Es liegt also in der Natur der Sache, dass sich dem Leser nicht jeder Beitrag sofort erschließt. Das macht gar nichts. Eine gute Sportgeschichte aus der eigenen Vergangenheit hat schließlich jeder.

— Henning Harnisch, Oliver Kleinschmidt, Valerie Trebeljahr, Julian Weber (Hg.): Vierter. ID-Verlag. 127 Seiten, 19,80 Euro.

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