Sport : Schützt unser Kulturgut!

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Lorenz Maroldt über Hertha, das Olympiastadion und den Denkmalschutz

Nein, kein böses Wort über Hertha. Aber wir müssen auch an die Opfer denken. An uns. An die Bier, Fisch- und Fahnenverkäufer. Die Fernsehzuschauer. An den Zeugwart. An die Familien, die mit Fans der Hertha geschlagen sind und von jenen auch werden.

Und an die Denkmalschützer müssen wir denken, jawohl, vor allem an die. Unsere Denkmalschützer, die sich so heroisch dafür eingesetzt haben, dass wir nicht eines dieser schrecklichen neuen Stadien bekommen, in denen man so unangenehm nah am Spielfeld sitzt, in denen es stickig warm ist und brüllend laut; die dafür sorgten, dass kein Fernglas vergebens gekauft, jede Verkühlung redlich erlitten, kein Schläfchen durch Bombenstimmung gestört wird. Ja, Berlins Denkmalschützern gehört selbst ein Denkmal gesetzt, haben sie doch das Olympiastadion vor der Moderne gerettet.

Umso unzumutbarer, dass sie länger mitansehen sollen, wie vor perfekt restaurierter Leni-Kulisse hängeschultrige Männer über den Rasen schlurfen, hinter sich hässliche Furchen im Grün, vor sich der Rücktritt, wie sie fluchen und heulen, staunen und stottern, reklamieren, dilettieren. Und alle singen: Grau-weiße Hertha, dir gelingt kein Sieg . . . Sieg!

Schützen wir unser Kulturgut! Lassen wir es nicht länger schänden von Stevens, Hoeneß, Hartmann und Rehmer, von Heidi Lachs und Frank Zander. Erbarmen mit dem Denkmalschutz, Respekt vor der deutschen Geschichte. Wir fordern: Olympiastadionverbot für Hertha!

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