• Schumacher gewinnt Montreal: Kein Mut zum Risiko - McLaren-Mercedes übte zu viel Vorsicht

Sport : Schumacher gewinnt Montreal: Kein Mut zum Risiko - McLaren-Mercedes übte zu viel Vorsicht

Karin Sturm

Über eines dürfen sich die deutschen Formel-1-Fans nach Michael Schumachers Sieg beim Kanada-Grand-Prix in Montreal schon jetzt freuen: Der zweifache Weltmeister wird auf jeden Fall als WM-Führender am letzten Juli-Wochenende zum Grand Prix von Deutschland nach Hockenheim kommen. 22 Punkte Vorsprung auf David Coulthard, 24 auf Mika Häkkinen - das ist für die McLaren-Fahrer in den nächsten beiden Rennen in Magny Cours und Zeltweg nicht mehr aufzuholen. Dabei hatte Schumacher erneut Probleme mit seinem Auto. Doch das Pech, das ihn in Monte Carlo einen schon sicher geglaubten Sieg kostete, holte ihn diesmal nicht ein. Trotz der Probleme im Heckbereich, wie er zugab. Ferrari-Rennleiter Jean Todt sprach von "wahrscheinlich den Bremsen, möglicherweise durch einem defekten Sensor in diesem Bereich." Um der Sache auf die Spur zu kommen, wurde Schumacher zehn Runden früher als geplant zum ersten Stopp an die Box geholt, "aber da haben wir nichts Konkretes gefunden." Beim zweiten Stopp, dem Wechsel auf Regenreifen, entschloss sich Ferrari dann, "die Bremskraft am Auto ganz nach vorne zu verstellen." Woraufhin Schumacher gleich in der ersten Kurve quer über die Wiese schoss, "weil die Räder blockiert haben, und das noch der sicherste Weg war, aus der Situation unbeschadet wieder rauszukommen." Außerdem riet ihm seine Box "unbedingt so vorsichtig wie möglich zu sein." Vor allem in den letzten Runden fuhr Schumacher meist langsamer als sein Teamkollege Rubens Barrichello, der ihn am Ende als perfekter Partner abschirmte. "Rubens hat sich da wirklich toll verhalten, ich möchte mich bei ihm bedanken", zollte ihm Schumacher Anerkennung, "ich werde mich bei passender Gelegenheit revanchieren." Der Brasilianer stellte zwar nachher im Kreise seiner Landsleute fest, "diesmal hätte ich den Sieg verdient gehabt", blieb aber sonst loyal. "Damit, dass ich am Ende hinter Michael bleiben und ihn abschirmen musste, habe ich kein Problem, das Team hat mich darum gebeten." So konnte Schumacher am Ende den inzwischen berühmt-berüchtigten "Fluch der Poleposition" knacken. Im 13. Anlauf seit Häkkinens Sieg in Ungarn 1999 gewann ein Fahrer vom ersten Startplatz aus.

Dagegen herrschte im Lager von McLaren-Mercedes statt Jubiläumsstimmung zum 500. Grand Prix nur Tristesse: Platz vier für Häkkinen, Platz sieben für Coulthard - damit konnte keiner zufrieden sein. Die Forderung nach Analyse wurde laut, denn nur mit Pech ließ sich der Absturz nicht erklären. Dass Coulthard am Vorstart den Motor abwürgt, ist ärgerlich, aber auch schon anderen passiert. Möglicherweise ließ McLaren-Mercedes zu viel Vorsicht walten. So bestätigte Häkkinen: "Ich bin noch gut von der Startlinie weggekommen und war in der ersten Kurve neben Barrichello, dann konnte sich aber Villeneuve neben mich drängeln, und ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen, als im Kiesbett zu enden." Folglich fuhr er einen großen Bogen - "als Ergebnis davon haben Barrichello und ich lange hinter Villeneuve festgehangen. Aber wenn ich gleichzeitig mit ihm an Villeneuve vorbeigekommen wäre, dann hätte ich den Ferrari wohl auch noch gekriegt." Auch beim Team siegte kurz bevor der Regen kam die Vorsicht: "Vielleicht waren wir in der Strategie etwas zu konservativ", übte Teamchef Ron Dennis Selbstkritik. Offenbar hätten die McLaren-Fahrer genug Sprit an Bord gehabt, um vor dem Boxenstopp länger draußen zu bleiben und gleich auf Regenreifen zu wechseln. So wie Benetton, die das als einziges Team hinbekommen und so einen Stopp gespart hatten. Stattdessen hielt McLaren-Mercedes, obwohl schon abgeschlagen, am festgelegten Plan fest und mied das Risiko.

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