Sport : Schusstraining in Reutlingen

Verteidiger Madlung erzielt beim 6:1-Sieg im Pokal Herthas erstes Pflichtspieltor – Bobic geht wieder leer aus

André Görke

Reutlingen. Es ist Samstagnachmittag, 15.15 Uhr, Freistoß für Hertha BSC: Alexander Mladenow steht am rechten Strafraumeck, er läuft an, tritt den Ball mit leichtem Effet in den Reutlinger Strafraum. Der Ball fliegt halbhoch in den Fünf-Meter-Raum. Dort steht Alexander Madlung, er steigt hoch, köpft, dann schlägt der Ball unter der Latte im rechten Eck ein. Tor, 1:0, für Hertha! Es ist das erste Pflichtspieltor der Berliner in dieser Saison.

Es folgten noch fünf weitere Treffer, und am Ende gewann Hertha BSC vor 5000 Zuschauern 6:1 (2:0) beim SSV Reutlingen. Der Bundesligist steht damit in der zweiten Runde des DFB-Pokals. „Unsere Aufgabe war es, hier weiterzukommen. Das haben wir geschafft“, sagte Trainer Huub Stevens, und Nationalspieler Arne Friedrich fügte an: „Gut, dass es kein zweites Kiel gab.“ Im vergangenen Jahr war Hertha in der ersten Pokalrunde beim Drittligisten Holstein Kiel gescheitert.

Der sportliche Wert der Partie war bescheiden. Den Reutlingern geht es finanziell schlecht, die Mannschaft spielt drei Klassen unter Hertha in der Oberliga und hat dort noch kein Spiel gewonnen. Gestern schwanden den Amateuren schon nach einer halben Stunde die Kräfte. Herthas Abwehr hatte keine Probleme, obwohl Verteidiger Marko Rehmer wegen eines Infekts ausfiel.

Ausgerechnet der für Rehmer spielende Madlung erzielte Herthas erstes Pflichtspieltor. Eigentlich war Fredi Bobic für das Toreschießen vorgesehen. Der Nationalspieler fand in der ersten Halbzeit wieder keine Bindung zu den Kollegen. Er lief viel, zog immer zwei, drei Reutlinger auf sich, aber das zweite Tor erzielte erneut ein Abwehrspieler. Kurz vor dem Pausenpfiff setzte Arne Friedrich einen Eckball von Mladenow mit dem Kopf zum 2:0 ins Tor. Prompt war für Bobic Schluss, Trainer Huub Stevens ließ ihn in der Kabine. „Kein Vorwurf an Fredi“, sagte Manager Dieter Hoeneß, „der hatte schon früh muskuläre Probleme, konnte nicht sprinten und musste deshalb vom Platz.“

Für Bobics Sturmpartner Artur Wichniarek boten sich somit mehr Freiräume. Er kennt den Job als zentraler Anspielpunkt im Angriff, so hat er für Arminia Bielefeld in den vergangenen Jahren etliche Tore geschossen. Und nur drei Minuten nach der Pause gelang ihm gleich das 3:0. Dies war nicht nur das erste Tor eines Stürmers, sondern auch das erste herausgespielte Tor der Saison.

Viel war den Berlinern bis dahin nicht gelungen. Erschreckend viele Fehlpässe unterliefen Hertha im Aufbauspiel, allen voran Niko Kovac. Da war es nicht sonderlich verwunderlich, dass dem Treffer von Josip Simunic zum 4:0 erneut eine Standardsituation vorausging: Einen Eckball von Kovac köpfte Herthas Verteidiger ins Tor. Eine Minute später wurde Kovac dann ausgewechselt.

Damit waren erstmals jene beiden Spieler nicht mehr auf dem Platz, die in dieser Saison das Spiel von Hertha BSC so prägen sollten. Es ging auch ohne sie: Der für Bobic eingewechselte Bartosz Karwan und abermals Madlung schraubten das Ergebnis in eine angemessene Höhe. In der Schlussminute kam Reutlingen durch einen von Rentmeister verwandelten Elfmeter zum einzigen Tor.

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