Sport : Schwarz mit Stolz

Wenn heute in Auckland die Rugby-WM 2011 eröffnet wird, startet Neuseeland in einen sechswöchigen Rausch

Ingo Petz[Auckland]
Zungenspieler. Neuseelands Rugbyteam beginnt jedes Match mit dem Haka, dem Einschüchterungstanz der Maori. Foto: dpa
Zungenspieler. Neuseelands Rugbyteam beginnt jedes Match mit dem Haka, dem Einschüchterungstanz der Maori. Foto: dpaFoto: dpa

Am Montag landete das tongaische Rugby-Team am Flughafen in Auckland. Mehr als 4000 Fans waren gekommen, um die Ikale Tahi, Seeadler, genannte Mannschaft aus dem letzten Königreich des polynesischen Südpazifiks zu begrüßen. Die Spieler wurden besungen und bejubelt, hunderte tongaische Flaggen wehten im Wind. „Gott, das ist unfassbar, so viele Menschen, ich bin überwältigt“, sagte Nationalspieler Joe Tuineau, ein Hüne, der sich auf dem Rugbyfeld normalerweise unbeeindruckt von äußeren Umständen zeigt. 17 000 Tonganer leben in Neuseeland und sie alle hoffen, dass der Rugby-Zwerg dem großen Favoriten Neuseeland im Eröffnungsspiel der Rugby-Weltmeisterschaft am Freitag (ab 10.30 Uhr MEZ, live auf Sport1) in Aucklands Eden Park ein Bein stellen kann. Wahrscheinlich ist das nicht, denn das letzte Spiel gegen Tonga gewannen die All Blacks, wie das neuseeländische Rugbyteam genannt wird, mit 91:7.

Seit Monaten, wenn nicht Jahren, fiebert Neuseeland der Eröffnung der Rugby-Weltmeisterschaft entgegen. Dabei lastet ein fast unmenschlicher Druck auf den All Blacks. Das ganze Land hofft auf den zweiten Titel nach 1987. „Natürlich werden wir unser Bestes geben“, sagte Neuseelands Cheftrainer Graham Henry. „Und ich weiß, dass wir gut aufgestellt sind.“ Sein Team musste bereits eine erste Provokation aushalten, weil die Engländer vor zwei Monaten ebenfalls in einem schwarzen Trikot aufliefen. Neuseelands Premierminister John Key sagte daraufhin: „Es gibt nur ein Team, das Schwarz mit Stolz trägt und das sind die All Blacks.“

Rugby ist nicht nur Nationalsport in dem südpazifischen Inselstaat. Es ist Ersatzreligion, Lebenseinstellung und die soziale Klammer, die das Einwanderungsland zusammenhält. 20 Teams werden in vier Gruppen um die Rugby-Krone, den Webb-Ellis-Cup, kämpfen. Das Finale findet am 23. Oktober statt. Von der Gruppenphase wird bei einer Rugby-Weltmeisterschaft im Allgemeinen nicht zu viel Spannung erwartet. Dafür sind die Leistungsunterschiede zwischen Teams wie Australien und den USA oder Südafrika und Namibia zu groß.

Das abgeschieden gelegene Neuseeland ist kein idealer Austragungsort für eine Weltmeisterschaft. Trotzdem werden immerhin über 70 000 Fans, vor allem aus Australien, Südafrika und England erwartet. Die Neuseeländer wollen sich als gute Gastgeber zeigen. In Nelson auf der Südinsel begrüßten rund 800 Einwohner die italienische Rugby-Nationalmannschaft mit einem öffentlichen Gemeinschaftsessen mit Pizza und Pasta. Dennoch gibt es auch Kritik an der Weltmeisterschaft.

Heftig bemängelt wurden die immens gestiegenen Hotelpreise, die viele Neuseeländer als schädlich für das Image des Tourismuslandes begreifen. Ärger gab es auch zwischen dem Ausrichter der WM, dem Internationalen Rugby Board (IRB), und den australischen Nachrichtenagenturen Fairfax und News Limited, die sich den strikten Interview-Regeln nicht beugen wollen. Beide Agenturen werden trotzdem berichten.

Den größten Teil der Stadien müssen die 3,4 Millionen Neuseeländer aus eigener Kraft füllen. 1,3 Millionen verkaufte Tickets waren von den Organisatoren angepeilt worden. Erst rund 1,1 Millionen sind bisher verkauft. Selbst für das Eröffnungsmatch sind noch 10 000 Tickets auf dem Markt. Die Karten sind nicht gerade günstig, sie kosten zwischen 75 und 270 Euro. Für die Spiele in Rotorua sind noch 50 000 Tickets zu haben.

Der Stimmung in den Straßen, Pubs und Gärten, wo viele ihre gewaltigen Barbecue-Maschinen aufbauen werden, wird das keinen Abbruch tun. Neuseeland wird sich in einen Rugby-Rausch begeben. Allerdings – man glaubt es kaum – gibt es auch Neuseeländer, die sich für Rugby nicht interessieren. Der Taranaki Regional Council bietet Rugby-Flüchtigen am Sonntag einen Gärtnerei-Workshop an.

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