Schwimm-Marathon : Der Krankheit entkommen

Der Langstreckenschwimmer Maarten van der Weijden hat erst den Krebs besiegt und nun die Konkurrenz. Der Deutsche Thomas Lurz, als Favorit gestartet, holt Bronze über 1500 Meter.

Andreas Morbach[Peking]
OLY-2008-SWIMMING-MARATHON-NED
Schneller als der Favorit. Der Niederländer Maarten van der Weijden.Foto: AFP

Im Januar dieses Jahres entschloss sich Schwimmer Maarten van der Weijden zu einer umfangreichen Sauerstoffkur. Neben den 15 Stunden, die er seit acht Monaten Tag für Tag im Sauerstoffzelt verbrachte, hat van der Weijden auch richtige Höhenluft geschnuppert: einmal bei einem Trainingslager im Februar und noch einmal im Juli, jeweils in der Sierra Nevada, insgesamt sechseinhalb Wochen lang. Die Sache mit der guten Luft hat sich für den Niederländer offensichtlich gelohnt: Am Donnerstag ist der WM-Vierte über die zehn Kilometer zu olympischem Gold geschwommen.

Das war eine Überraschung durch den Mann, der einen großen Schicksalsschlag hinter sich hat. Vor siebeneinhalb Jahren wurde bei dem Mathematikstudenten aus Eindhoven Leukämie diagnostiziert. Van der Weijden aber hatte Vertrauen in die Medizin. „Die Ärzte haben damals für mich gekämpft, ich habe erst heute gekämpft“, sagte der 27-Jährige nach seinem Goldmedaillengewinn. Er erzählte von seiner Krankheit, die er dank einer Stammzellentransplantation überwunden hat. „Es hat mich gelehrt, immer nur an den nächsten Schritt zu denken, geduldig zu sein. Wenn du mit solchen Schmerzen im Krankenhausbett liegst, denkst du nicht an den nächsten Monat, sondern an die nächste Stunde.“ Und dieser Sieg über die Krankheit habe ihn nun im olympischen Freiwasserrennen stark gemacht.

Wie es weiter geht, ist offen

Gewonnen hat er am Donnerstag vor dem Briten David Davies, der als Beckenschwimmer vor vier Jahren in Athen Bronze über 1500 Meter holte. Und vor Thomas Lurz. Der 28-jährige Würzburger war als Favorit in das Rennen gestartet, nach dem Zielanschlag rieb er sich aber erst einmal die Augen: „Ich wusste, dass Maarten stark ist. Aber dass er gleich gewinnen würde, hätte ich nicht gedacht.“ Der gedrosselte Jubel des gelernten Diplom-Sozialarbeiters Lurz – „ich bin glücklich, das muss man bei Olympia-Bronze sein“ – sprach Bände und erhöhte die Leistung des holländischen Triumphators nur noch mehr.

Wie es mit Maarten van der Weijden weiter geht, ist allerdings offen. Über seine Teilnahme an der EM Anfang September wird in den nächsten Tagen entschieden, sagte sein Coach Marcel Wouda. Sicher ist aber, dass der große Mann aus den Niederlanden seine Sauerstoffzelte jetzt erst einmal abbauen wird. Acht Monate lang nächtens für elf und nach dem Mittagessen noch einmal für vier Stunden ins Zelt zu kriechen, ist schließlich nicht das pure Vergnügen. „Die letzten Monate waren ziemlich stressig – wegen Olympia“, sagte er am Donnerstag in Peking. „Dabei dachte ich, ich kann Stress nicht gebrauchen, sondern muss entspannt sein. Aber offensichtlich geht beides.“

Gedankt hat er dabei aber nicht den Erfindern von Sauerstoffzelten. Sondern all jenen, die in ihrem Leben Geld für die Krebsforschung gespendet haben. „Denn ohne diese Menschen“, sagte Maarten van der Weijden, nachdem die holländische Hymne verklungen war, „würde ich nicht hier stehen“.

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