Schwimmen : Britta Steffen auf Olympia-Kurs

Britta Steffen schaffte beim Meeting in Magdeburg souverän die EM-Norm über 50 und 100 Meter Freistil. Nun soll sie "einfach mal die Seele baumeln lassen", wie ihr Heim-Trainer Norbert Warnatzsch nach dem Wettkampf sagte.

Drei Tage nach Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit sehnte sich Britta Steffen im Anschluss an ihre Auftritte über 20 und 100 Meter Freistil nur noch nach einem ruhigen Fernsehabend mit Freund Paul Biedermann.
Drei Tage nach Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit sehnte sich Britta Steffen im Anschluss an ihre Auftritte über 20 und 100 Meter...Foto: dapd

Sie hatte es eilig. Britta Steffen schwamm flink zur EM-Norm, stieg aus dem Becken, mummelte sich in ihren Mantel ein und verschwand Minuten später aus der Halle. Nach ihren zwei souveränen Auftritten über 50 und 100 Meter Freistil beim Meeting in Magdeburg und drei Tage nach Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit sehnte sich die Doppel-Olympiasiegerin nur noch nach einem ruhigen Fernsehabend mit Freund Paul Biedermann - und düste im Auto nach Halle.

„Mit der Standortbestimmung bin ich ganz zufrieden. Ich wäre gern unter 54 Sekunden geschwommen, bin aber ein bisschen zu schnell angegangen. Da muss ich noch was lernen“, sagte Steffen. Nach dem Sieg über 50 Meter Freistil und der kurzzeitigen Weltjahresbestzeit schlug die Berlinerin auch über die doppelte Distanz als Erste an. Mit ihren 54,13 Sekunden blieb Steffen wie erwartet locker unter der Norm für die EM vom 21. bis 27. Mai in Debrecen - und auch unter der härteren Olympia-Norm, die sie erst im Mai bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin oder kurze Zeit später in Ungarn abrufen muss.

Heim-Trainer Norbert Warnatzsch war mit der Leistung „rundum zufrieden“ und verordnete Steffen Erholung für Kopf und Körper: „Britta soll sich mal richtig ausspannen, einfach die Seele baumeln lassen und die Depots wieder auffüllen.“ Nach der Leistungsdiagnostik kommende Woche in Leipzig steht für Britta Steffen ein freies Wochenende an der Ostsee auf dem Plan.

Dass Steffen von der Weltjahresbestzeit der Britin Francesca Halsall noch mehr als eine halbe Sekunde entfernt ist, beunruhigt sie nicht. „Wenn ich im Mai unter den Top fünf bin, passt alles“, sagte die 28-Jährige, die über 50 Meter (24,73) Platz eins in der Weltrangliste wenige Stunden später zunächst an die Niederländerin Marleen Veldhuis (24,49) abgeben musste. Halsall toppte die Zeit im Finale der britischen Meisterschaften noch einmal: In 24,13 Sekunden war die 21-Jährige so schnell wie noch keine Schwimmerin seit dem Verbot der High-Tech-Anzüge vor gut zwei Jahren.

Doch wichtiger ist im Moment für Steffen, dass sie sich seit Mittwoch ohne Studienstress auf die Sommerspiele vorbereiten kann. „Da sehe ich noch als kleine Reserve, dass ich die jetzt meine freie Zeit noch für mentales Training habe.“

In Magdeburg gab es eine regelrechte Flut von erfüllten EM-Normen. Demnach kann der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) über 30 Starter nach Debrecen schicken. Das endgültige Aufgebot wird am Montag bekannt gegeben. „Wir werden eine leistungsstarke Mannschaft haben. Vor allem einige junge Leute haben sich ins Team geschwommen“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Als künftiger Gastgeber der EM 2014 sieht sich der DSV auch in der Pflicht, seine Stars wie Steffen oder Biedermann aufzubieten. Andere Nationen lassen die kontinentalen Titelkämpfe in der Vorbereitung auf Olympia möglicherweise aus.

Für eine Überraschung in Übersee sorgte unterdessen der frühere Junioren-Weltmeister Dimitri Colupaev, der beim Grand Prix in Columbus nur Rekord-Olympiasieger Michael Phelps (1:45,69) den Vortritt lassen musste. Der in den USA studierende Mainzer war in 1:48,70 Minuten zwei Hundertstel schneller als Paul Biedermann vor einer Woche in London und unterbot ebenfalls die EM-Norm. Steffens Freund hatte das Meeting in Magdeburg ausgelassen und es sich schon auf der Couch gemütlich gemacht. Britta war im Anflug. (dapd)

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