Schwimmen : WM ohne Biedermann

Die Schwimm-WM in Barcelona findet ohne einen der wenigen deutschen Hoffnungsträger statt. Paul Biedermann sagte seinen Start ab. Der Trainingsrückstand des Weltrekordlers ist zu groß.

Verzicht auf Barcelona. Paul Biedermann. Foto: dpa
Verzicht auf Barcelona. Paul Biedermann.Foto: dpa

Paul Biedermann hat diesen Wettkampf gegen Körper und Zeit verloren. Der Weltrekordler muss nach Gesundheitsproblemen auf die Schwimm-Weltmeisterschaften in Barcelona verzichten. Wegen einer zu langen Trainingspause sagte er am Freitag seine Teilnahme an der deutschen WM-Qualifikation in Berlin in zwei Wochen ab. Damit verzichtet der 26-Jährige aus Halle/Saale auch auf den Saisonhöhepunkt in der spanischen Küstenmetropole vom 19. Juli bis 4. August. „Leider hat ein verschleppter Infekt kein optimales Training in den letzten 2 Monaten zugelassen“, sagte Biedermann in einer von seinem Management verbreiteten Presseerklärung.

Durch die unfreiwillige Pause könne er in Barcelona nicht konkurrenzfähig sein. „So einen langen Trainingsausfall kann man nicht einfach so aufholen. Dafür ist mein Anspruch an mich selbst auch viel zu hoch. Ich brenne und will so schnell wie möglich wieder in das Wettkampfbecken zurück“, erklärte Biedermann weiter. Sein nächstes Ziel sei die Kurzbahn-EM Mitte Dezember in Dänemark.

Biedermann gehörte zu den wenigen WM-Medaillenhoffnungen der deutschen Beckenschwimmer, die im Vorjahr erstmals seit 1932 olympisches Edelmetall verpasst hatten. Der Lebensgefährte von Peking-Olympiasiegerin Britta Steffen hatte seinen einzigen Langbahn-Wettkampf in diesem Jahr Ende Januar auf Nebenstrecken bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften bestritten.

Danach ging ausgerechnet in der trainingsintensiven Phase mit hohen Kilometer-Umfängen im Wasser so gut wie nichts mehr. Wochenlang musste Biedermann das Becken meiden und auch das Athletiktraining an Land vernachlässigen. Zuletzt wurde die Zeit knapp, ein für das Wochenende geplanter Testwettkampf seines Hauptsponsors wurde erst am Mittwoch gestrichen.

Zwar geht es dem Europameister über 200 und 400 Meter Freistil inzwischen „schon viel besser“, ich habe mit dem Athletiktraining an Land wieder begonnen und auch der Genesungsprozess verläuft Biedermann zufolge „sehr gut“, doch das reicht nicht: „Ich fühle mich nicht in einer sportlich stabilen Form, um bei der kommenden Weltmeisterschaft in Barcelona konkurrenzfähig antreten zu können.“ Biedermanns Heimtrainer Frank Embacher hatte seinem langjährigem Schüler nach der Olympia-Enttäuschung sechs Wochen Pause vom Wasser gegönnt. Der Sieg bei der Kurzbahn-WM Mitte Dezember ermutigte das Erfolgs-Duo.

Lange hatte das Umfeld auf Biedermanns Fähigkeit gesetzt, in relativ kurzer Zeit in Form kommen zu können. So hatte er auch 2009 (damals wegen des Eppstein-Barr-Virus') mehrere Wochen aussetzen müssen und war dann im Comeback-Rennen Europarekord geschwommen. Doch die Zeiten haben sich nicht nur wegen der damals leistungsfördernden und heute verbotenen Hightech-Anzüge geändert.

Embacher erklärte, das Training werde nun auf die EM 2014 in Berlin ausgerichtet, „bei der wir vor heimischem Publikum wieder voll angreifen werden.“ Eine „Lex-Biedermann“ auch ohne WM-Qualifikation war in diesem Jahr besonders schwierig. Der neue Chefbundestrainer Henning Lambertz hatte die WM-Normen in diesem Jahr entschärft, so dass mehr Schwimmer als in den Vorjahren die Richtzeiten unterbieten werden. „Wenn ein oder zwei schneller sind, dann ist das Ticket weg“, hatte Lambertz noch am Mittwoch betont. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben