• Sechs Gegentore, null Panik - bei TeBe gibt es (noch) keine Diskussion über Libero Suchoparek

Sport : Sechs Gegentore, null Panik - bei TeBe gibt es (noch) keine Diskussion über Libero Suchoparek

Karsten Doneck

Das Urteil fiel zwar nicht vernichtend aus, aber es schmerzte den Betroffenen sehr wohl. Er mache aus seinen Möglichkeiten zu wenig, unterstütze auch die Offensive nicht genügend, schrieb Hermann Gerland, der damalige Trainer von Tennis Borussia, seinem Libero Dejan Raickovic ins Stammbuch. Folge: Raickovic wurde in der vorigen Saison zum Bankdrücker. Allerdings nur kurz. Die Einsicht, dass ein nicht so offensiver Raickovic TeBe als Abwehrchef immer noch mehr hilft als jeder andere im Kader, gewann bald Oberhand. Auch bei dem als besonders stur gescholtenen Gerland.

Längst lenkt Winfried Schäfer die Geschicke beim Berliner Fußball-Zweitligisten. Auch der teilt Gerlands Ansicht über Raickovic. Nur handelte er noch konsequenter. Mit dem tschechischen Nationallibero Jan Suchoparek wurde zur neuen Saison gleich ein neuer, routinierter Abwehrchef von Racing Straßburg verpflichtet. Aber nach drei Spieltagen mit bereits sechs Gegentoren treten vor der Partie morgen (19 Uhr, Mommsenstadion) gegen den FC St. Pauli Zweifel auf, ob denn Suchoparek nun der "bessere Raickovic" ist. Zumal auch der Offensivkraft des Tschechen Grenzen gesetzt sind. Das liege freilich, so Schäfer, an der Taktik. "Wir haben hinten eine Dreierkette, dazu kommt ein sehr offensiv ausgerichtetes Mittelfeld", sagt der TeBe-Trainer. "Wenn sich da der Jan auch noch mehr nach vorne orientieren würde, wären wir sehr anfällig für Konter."

Auffällig wurden bei Suchoparek zuletzt auch Schnelligkeitsdefizite. Manches kann der 30-Jährige mit seiner Routine übertünchen. "Er ist international erfahren, ist Stammspieler in einer der stärksten Nationalmannschaften Europas und hat sich auch in Straßburg gegen sehr schnelle Stürmer behaupten können", entgegnet TeBe-Manager Jan Schindelmeiser den Kritikern.

Und sechs Gegentore in nur drei Partien lösen bei Winfried Schäfer auch noch keine Libero-Diskussion aus. "Nur einen Gegentreffer, das 1:2 gegen Karlsruhe, kreide ich unserer Abwehr an." Beim 3:2-Sieg in Hannover zum Beispiel waren für den Trainer andere Umstände maßgebend, dass hinten beim Ergebnis keine Null stand. Schäfer: "Da wurde ein unberechtigter Elfmeter gegen uns gepfiffen, beim zweiten Tor von Linke war unser Mittelfeld zuständig." Aber zumindest gibt Schäfer zu erkennen: "Suchoparek spielt noch nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen." Dass sich die Mitspieler auf seine Direktpässe noch nicht richtig eingestellt haben, trägt auch dazu bei, dass Suchoparek derzeit keineswegs souverän wirkt.

Und Dejan Raickovic? Der ist bei Schäfer keineswegs in Vergessenheit geraten. Weil Stürmer Sasa Ciric mit Mazedonien und Suchoparek mit Tschechien gestern in der EM-Qualifikation Fußball-Dienste fürs Vaterland leisteten und keineswegs gewährleistet war, ob sie so fit zu TeBe zurückkehren, dass sie gegen St. Pauli gleich wieder unter Volldampf stehen, ließ Schäfer schon mal vorsorglich wissen: "Wir haben ja noch Kirjakow, Hamann und . . . " - ohne Bedenkpause fügt er hinzu - " . . . Raickovic."

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