Sport : Sechs Nummern zu klein

Leverkusen unterliegt in der Champions League beim FC Barcelona mit 1:7, Lionel Messi erzielt fünf Tore.

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Zu schön, um rein zu gehen. Arsenals Kapitän Robin van Persie wollte den Ball beim Stand von 3:0 über Mailands Torhüter Christian Abbiati heben – und scheiterte. Es sollte die letzte große Chance für die Londoner an diesem Abend bleiben. Foto: Reuters
Zu schön, um rein zu gehen. Arsenals Kapitän Robin van Persie wollte den Ball beim Stand von 3:0 über Mailands Torhüter Christian...Foto: REUTERS

Schon nach einer Stunde hatte sich der Ausflug in die katalanische Hauptstadt mehr als gelohnt, die 4000 mitgereisten Leverkusener Fans bekamen wahrlich fantastischen Fußball geboten. Hohes Tempo, direktes Passspiel, schnelles Umschalten, und traumhafte Tore – leider alles von der aus ihrer Sicht falschen Mannschaft. An eine Sensation hatte nach dem 1:3 im Hinspiel wohl ohnehin kein Anhänger von Bayer Leverkusen ernsthaft geglaubt, eine derartige Demütigung hatten die Fans des deutschen Vizemeisters allerdings auch nicht erwartet. 90 Minuten lang liefen die völlig überforderten Leverkusener im Achtelfinale der Champions League dem Titelverteidiger nur hinterher, am Ende stand eine deprimierende 1:7 (0:2)-Niederlage. „Auch wenn es Barcelona ist – eine solche Niederlage tut gegen jede Mannschaft der Welt weh“, sagte Leverkusens Trainer Robin Dutt.

Der FC Barcelona von Lionel Messi, Xavi und Andres Iniesta war für Bayer an diesem Abend mehr als nur eine Nummer zu groß. Die Katalanen strahlten eine übernatürlich große Spielfreude aus und waren viel zu dominant, als dass sie Leverkusen auch nur ansatzweise in Gefahr hätte bringen können. Mit dieser bitteren Erkenntnis mussten die Profis von Bayer 04 Leverkusen nach 90 Minuten das Feld im Camp Nou mit hängenden Köpfen verlassen. Vor allem aber hat das Team von Trainer Josep Guardiola gestern Abend erneut deutlich gemacht, dass es als Vorjahressieger auch wieder der große Favorit auf den Titel ist. Nicht zuletzt, weil es einen alles überragenden Lionel Messi in seinen Reihen hat, der Bayer 04 Leverkusen mit fünf unnachahmlichen Treffern beinahe im Alleingang ausschaltete. Der Argentinier ist das i-Tüpfelchen in einer fantastischen Fußball-Mannschaft. Es war eine 90-minütige Messi-Gala.

Die Mannschaft von Robin Dutt ist nicht nur im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Sie kassierte auch noch die höchste Europapokal-Niederlage in der Klub-Geschichte. Ganze 25 Minuten hatte es gedauert, bis auch die letzte Hoffnung der Leverkusener dahin war. In diesem Moment erzielte Lionel Messi mit einem sehenswerten Lupfer über Torhüter Bernd Leno hinweg die Führung für Barcelona und beendete damit auch die geradezu verwegenen Träume, die so mancher der aus dem Rheinland angereisten Bayer-Anhänger nach Spanien mitgebracht hatte. Doch die Leverkusener versuchten davor und danach, früh zu stören und sich auch selbst Chancen herauszuspielen. „Wir wollen Barcelona ärgern“, hatte Stefan Kießling vor der Partie angekündigt.

Soweit sollte es in keiner Phase kommen, auch wenn Dutt mit Eren Derdiyok und Kießling zwei Angreifer aufgeboten hatte und damit ein deutliches offensives Signal setzen wollte. Doch die Hoffnung auf mehr Entlastung für die Abwehr sollte sich in der Folge als Bumerang erweisen.

Gerade als sich die Leverkusener in der ersten Hälfte immer häufiger in die Nähe des Tores von Victor Valdes durchspielten, war es erneut Messi, der das Ergebnis auf 2:0 erhöhte. Die rund 80 000 Zuschauer stöhnten bereits auf, als er in Minute 43 auf der rechten Außenbahn angespielt wurde, sie wussten schließlich, was kommen würde. Der Argentinier dribbelte wie gewohnt mit großer Dynamik in den Strafraum, ließ gleich drei Leverkusener Gegenspieler wie Slalomstangen stehen und schob den Ball unter dem Jubel der Fans so sicher in das untere linke Eck ein, als sei das ein Kinderspiel.

In der zweiten Hälfte brach Leverkusen völlig auseinander, die Mannschaft machte die zeitweise guten Eindrücke zuvor vollends zunichte. Leverkusen bekam Barcelona nicht mehr in den Griff und die Katalanen machten mit ihren Gegenspielern, was sie wollten. In 13 Minuten erzielte Barcelona gleich vier Treffer. Erst war es, wer auch sonst, Lionel Messi mit einem spektakulären Heber, dann der eingewechselte Tello, beim nächsten Angriff wieder Messi und dann noch einmal Tello. Fünf Minuten vor dem Ende traf dann noch einmal Messi, bevor Karim Bellarabi mit dem Treffer zum 1:7 den Endstand dieses für beide Seiten denkwürdigen Abends herstellte.

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