Sechstagerennen : Agenda 2011

Zum 100. Jubiläum des Sechstagerennens im kommenden Jahr ist schon jetzt eine Ausweitung des Programms und bessere Unterhaltung geplant.

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Berlin - Eine Geschichte erzählt Heinz Seesing noch immer sehr gern. „Es gab einen Punkt, da bin ich nachts verzweifelt im Schlafanzug nur mit Mantel drüber durch den Tegeler Forst in Berlin geirrt“, plaudert der Geschäftsführer des Berliner Sechstagerennens. Diese Episode soll sich kurz vor der Wiederaufnahme der traditionsreichen Berliner Radsportveranstaltung im Januar 1997 zugetragen haben. In jenem Jahr, als Seesing angetreten war, um das Sechstagerennen zu retten. Kurz vor dem geplanten Termin jedoch glich das neu gebaute Velodrom nach wie vor einer Baustelle, rote Zahlen drohten, es gab Ärger mit der Stadt. Seine Frau soll ihrem Mann damals in Sorge, er habe sich etwas angetan, nachgelaufen sein und ihn im Wald gefunden haben, um ihm neuen Mut zuzusprechen. Soweit die Legende. Erwiesene Realität ist aber, dass es Seesing gelungen ist, das seit sieben Jahren nicht mehr stattfindende Berliner Rennen wiederzubeleben – und das damals gänzlich ohne städtische Subventionen. Dafür erhielt Seesing vor drei Jahren das Bundesverdienstkreuz. Ihm ist es zu verdanken, dass das älteste europäische Sechstagerennen im kommenden Jahr sein 100. Jubiläum feiern wird.

Bereits im Dezember machte der umtriebige Geschäftsmann aus dem Münsterland eines klar: Es gehe in diesen Tagen nicht allein um das heute zu Ende gehende 99. Berliner Sechstagerennen, „wir sind mit den Gedanken schon im nächsten Jahr, dieses Rennen ist die Startbühne für das 100. Rennen“. Die Freude darüber, dass dieses besondere Jubiläum, das vom 27. Januar bis zum 1. Februar 2011 ausgetragen wird, trotz Finanzkrise und der Schließung zahlreicher anderer Sechstagerennen in Deutschland nicht in Gefahr zu sein scheint, ist Seesing deutlich anzumerken. Aus jedem seiner Sätze spricht der Stolz, in Berlin etwas ganz Besonderes geschaffen zu haben. „Längst ist Berlin zur Nummer eins unter Europas Sechstagerennen aufgestiegen“, schrieb kürzlich die Fachzeitschrift „Radsport“. Das am 15. März 1909 erstmals in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten, auf dem Gelände des heutigen Zoo-Palastes ausgetragene erste europäische Sechstagerennen scheint gut gerüstet für die Zukunft.

Schon während der laufenden Veranstaltung werden die Zuschauer von den Hallensprechern im Velodrom täglich dazu aufgefordert, sich bereits jetzt die Karten für das kommende Jubiläumsjahr zu sichern. „Jedes Rennen in den letzten 14 Jahre war ein Besonderes, aber das 100. soll etwas noch Besondereres werden“, sagt Werner Ruttkus, Leiter der Kommunikationsabteilung. Geplant ist, die Wettbewerbe auf den Samstagnachmittag und den Sonntagabend – an denen bislang keine Wettbewerbe stattfinden – auszuweiten. Einen Jugendnachmittag soll es am Samstag geben, mit der entsprechenden Musik für die Zielgruppe. Und am Sonntagabend ist eine Veranstaltung für ehemalige Radprofis und Freunde des Radsports geplant. Dies habe sich bereits 2007 bewährt, als 1000 Ehemalige und Förderer den kompletten Innenraum des Velodroms füllten. „Außerdem wollen wir ein hochwertigeres Show- und Unterhaltungsprogramm als in den letzten Jahren anbieten“, sagt Ruttkus und nennt den Namen der Puhdys, eine der bekanntesten Rockbands der DDR, als Möglichkeit. „Die gedankliche Planung läuft natürlich“, sagt Ruttkus, betont aber, Verhandlungen über Details würden erst am Mittwoch starten, wenn die Tore des 99. Sechstagerennens geschlossen sind.

Heinz Seesing, der „Retter des Sechstagerennens“ in Berlin, will sich danach zurückziehen und die Geschäftsführung gänzlich Reiner Schnorfeil übergeben. 72 Jahre alt wird er dann sein. Ob dieses Ziel wirklich Realität wird oder doch nur Legende bleibt, ist bis zum 2. Februar 2011 offen.

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