Sechstagerennen : Schwerer Tritt, schneller Sprint

Wie Maximilian Levy im Velodrom auftrumpft

Hartmut Moheit

Berlin - Allein die Ankündigung sorgte für Raunen im Velodrom. So mancher der 12 000 Sixdays-Fans traute seinen Ohren nicht, als verkündet wurde, dass Sprinter Maximilian Levy an seinem Rad 102 Zoll hatte auflegen lassen. Selbst Dieter Stein, der Sportliche Leiter beim 97. Berliner Sechstagerennen, geriet ins Schwärmen: „Das ist schon eine gigantische Übersetzung, damit muss man erst einmal in Schwung kommen.“ Levy selbst erklärte später, womit sein Vorhaben, mit dem er den Bahnrekord von 12,7 Sekunden für eine Runde angreifen wollte, zu vergleichen sei: „Das entspricht etwa 2000 Watt, die ich da treten muss.“ Spaßhaft fügte er hinzu, dass der Start mit „Anfahren im achten Gang“ zu vergleichen wäre.

Maximilian Levy hatte das fachkundige Publikum im Velodrom auf seiner Seite. Die Wettbewerbe der Sprinter gehören in Berlin zum festen Programm, und so eine große Anstrengung wird mit besonders lautem Johlen, Pfeifen und Beifall honoriert. In 12,881 Sekunden – das entspricht einem Schnitt von über 69 Stundenkilometern – verfehlte Levy dann zwar die Bestzeit, aber bereits für den heutigen Dienstag, zum Abschluss der Sixdays, kündigte er einen neuen Versuch an. Dabei geht es dem 20 Jahre alten Bernauer keinesfalls nur um den Show-Effekt, sondern um den Nachweis seiner Klasse mit Blick auf Olympia. „Die Erlebnisse in Berlin geben mir viel Selbstvertrauen“, sagte der WM-Dritte des Vorjahres im Teamsprint. Er braucht Erlebnisse dieser Art auch dringend, denn nach einer Bandscheibenoperation war er drei Monate ausgefallen. Deshalb dient ihm als Sprinter das Sechstagerennen nicht nur dazu, Geld zu verdienen, sondern bietet ihm auch die Chance, zu alter Klasse zurückzufinden. Bislang haben die deutschen Sprinter erst je einen Startplatz im Sprint und im Keirin für Olympia eingefahren. Aber es gibt noch einige andere deutsche Sprinter, die auch bei Olympia starten wollen. Levy möchte beim nächsten Weltcup in Kopenhagen oder dann bei der WM in Manchester im März selbst einen Startplatz erkämpfen.

Gerade wegen der Olympiaqualifikation schenken sich die deutschen Sprinter schon beim Berliner Sechstagerennen nichts. Die Fans haben ein feines Gespür dafür, unterstützen die Sprinter deshalb genauso lautstark wie die 18 Sechstageteams. „Maximilian muss noch spritziger, noch explosiver im Antritt werden“, fordert Levis Trainer Eyk Pokorny für die Zukunft. Dies allerdings lässt sich derzeit beim Rundenrekordfahren im Velodrom kaum trainieren, nur im Sprint Mann gegen Mann. Eine andere Komponente des Radsprints dagegen schon: die hohe Grundgeschwindigkeit. „Ich kann sie recht lange fahren, das ist eine Stärke von mir“, sagt Maximilian Levy selbst. 85 Prozent seines einstigen Leistungsvermögens habe er bereits wieder drauf. Die 102 Zoll wären sonst auch noch eine Nummer zu groß gewesen. Hartmut Moheit

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