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Sechste Auswärtsniederlage in Folge : Auch Köln ist für Hertha BSC keine Reise wert

Hertha BSC verliert beim 1. FC Köln mit 2:4 und vergibt eine große Chance im Kampf um die Europapokalqualifikation. Zur Halbzeit stand es schon 0:3.

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Allein im Kölner Jubel: Hertha BSC und John Anthony Brooks gingen auswärts mal wieder leer aus.
Allein im Kölner Jubel: Hertha BSC und John Anthony Brooks gingen auswärts mal wieder leer aus.Foto: AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

Michael Preetz tat sein Bestes. Der Manager von Hertha BSC wurde eigens beim Vierten Offiziellen vorstellig. Preetz streckte seine Arme nach hinten aus und zeigte, dass ein Spieler des 1. FC Köln sich auf diese Weise vor dem 2:0 auf illegale Weise einen Vorteil verschafft hatte. Nicht mal anderthalb Minuten später hätte Preetz eigentlich schon wieder beim Vierten Offiziellen intervenieren und wegen einer möglichen Abseitsstellung protestieren können. Aber das war jetzt auch egal. Preetz blieb sitzen.

Binnen weniger Sekunden hatte Anthony Modeste den Vorsprung der Kölner mit seinen Saisontoren 20 und 21 auf 3:0 ausgebaut. Die Angelegenheit war für den Berliner Fußball-Bundesligisten damit schon vor der Pause so gut wie erledigt. „Die erste Halbzeit haben wir verschenkt“, sagte Trainer Pal Dardai. In der zweiten Halbzeit steigerte sich seine Mannschaft zwar deutlich, kam auf 70 Prozent Ballbesitz – und verlor am Ende doch mit 2:4 (0:3). Es war die sechste Auswärtsniederlage hintereinander für die Berliner, die im Kampf um die Europacup-Qualifikation den Blick nun wieder nach hinten richten müssen. „Heute waren wir nicht gut genug“, befand Mittelfeldspieler Per Skjelbred.

Der schlechten Auswärtsbilanz stand Herthas herausragende Bilanz gegen den 1. FC Köln gegenüber. Sechs der jüngsten sieben Begegnungen in Köln hatten die Berliner gewonnen – doch der FC begegnete seinem Angstgegner von der ersten Sekunde an ohne jede Furcht, so dass die 49.500 Zuschauer vom Anfang bis zum Ende ein höchst unterhaltsames Spiel zu sehen bekamen.

„Hätte spielt nicht“, sagte Dardai

Die Kölner, zuvor sechs Pflichtspiele sieglos, kamen schon nach 35 Sekunden erstmals gefährlich in den Berliner Strafraum, als Modeste den Ball weiterleitete, Simon Zoller aber schon einen Schritt zu weit voraus war. Nach knapp fünf Minuten zwang Modeste Herthas Torhüter Rune Jarstein mit einem Weitschuss zum ersten Mal zu Eingreifen. Unmittelbar danach war Jarstein erstmals bezwungen. Modestes Sturmpartner Yuya Osako zog aus 20 Metern ab, der Ball drehte sich in den Winkel und war so hart geschossen, dass Jarstein ihn nicht mehr über die Latte lenken konnte.

Erst nach dem Rückstand kamen die Berliner besser ins Spiel. Der FC zog sich zurück, überließ Hertha die Initiative – um nach Ballgewinnen schnell zu kontern. Richtig gefährlich wurden die Gäste lange Zeit nicht. Erst nach einer halben Stunde hatte Vedad Ibisevic eine gute Chance für Hertha. Timo Horn im Kölner Tor aber parierte den Kopfball von Herthas Kapitän. Hätte Ibisevic getroffen, wäre das Spiel vermutlich anders verlaufen. „Hätte spielt nicht“, sagte Dardai.

Kurz darauf war das Spiel entschieden. Erst traf Modeste nach einem Querpass von der Strafraumgrenze – der Franzose stand dort völlig frei. Unmittelbar danach lief Modeste nach einem langen Pass von Matthias Lehmann allein auf Jarstein zu und überwand den Norweger zum 3:0. „Wir verlieren die Bälle in gefährlichen Situationen, das nutzen die Kölner perfekt“, sagte Skjelbred. „Jeder Schuss war ein Tor.“

Der Norweger blieb zur zweiten Hälfte in der Kabine, mit Sami Allagui brachte Dardai einen zusätzlichen Stürmer. „Man muss uns zugute halten, dass wir nach dem 0:3 den Kopf nicht haben hängen lassen“, sagte Defensivspieler Niklas Stark. Die Gäste machten mehr Druck und schafften tatsächlich das frühe Tor, das sie sich erhofft hatten. Nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt setzte Stark den Ball am Tor vorbei, doch Timo Horn erwischte ihn mit der Faust am Kopf, so dass Schiedsrichter Marco Fritz auf Elfmeter entschied. „Wenn das gepfiffen wird, muss ich gar nicht mehr rauskommen“, sagte Kölns Torhüter, der gegen den Elfemter von Ibisevic chancenlos war.

Brooks verkürzt per Kopf

Kurz darauf hatte Vladimir Darida sogar die Chance zum Anschlusstreffer. Er entschied sich allerdings zu einem Querpass ins Nichts, anstatt selbst abzuschließen. Und so war die Hoffnung auf das wundersame Comeback Herthas wenig später schon wieder hinfällig. Nach einem langen Pass des eingewechselten Marco Höger sprintete Modeste aus der eigenen Hälfte los, hängte John Anthony Brooks ab und überwand Jarstein mit einem Schuss ins kurze Eck zum 4:1. Dardai erhob sich erbost von seiner Bank und machte eine abwertende Handbewegung.

Eigentlich standen sich in Köln zwei der defensivstärksten Mannschaften der Bundesliga gegenüber. Aber das schien den Beteiligten irgendwie entfallen zu sein. Nur sechs Minuten nach Modestes verkürzte Brooks nach einer Ecke per Kopf auf 2:4 – und noch waren 20 Minuten zu spielen. Zwei große Chancen hatte Hertha noch. Erst scheiterte Ibisevic nach einer präzisen Hereingabe des eingewechselten Maximilian Mittelstädt an Horn, zwei Minuten vor dem Ende parierte Kölns Torhüter einen weiteren Kopfball von Brooks. „Wir haben schon an uns geglaubt und alles versucht, was geht“, sagte Niklas Stark. „Aber dann muss eigentlich jede Chance sitzen.“

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