Sport : Segeln: Unbequem, aber erfolgreich

Hartmut Moheit

Bohrende Fragen stellt Bernd Zirkelbach nicht, dazu hat er keine Lust. Es gäbe sicherlich einige - zu früher und auch zu heute. Der Segeltrainer und Vereinsmanager vom Yachtklub Grünau glaubt aber, die Antworten darauf zu kennen. "Zu DDR-Zeiten kam ich wohl nicht hoch, weil ich nicht in der Partei war. Nach der Wende war es wohl meine unbequeme Art, die einigen Leuten nicht passt", sagt der 48-Jährige. "Ich meine, dass absolute Fachleute das Sagen haben müssen. Manch einer meint, wenn er etwas im Fernsehen gesehen hat, gehört er dazu. Ich hatte gedacht, dass nunmehr nur Leistung zählen würde. Das war ein Irrtum, denn es sind vor allem besondere Beziehungen." Was verbittert klingt, möchte Bernd Zirkelbach nun doch nicht so verstanden wissen: "Das bringt ja nichts."

Mehr bedeutet es ihm, aus seinen Möglichkeiten das Beste zu machen. Vor 1990 war eben die Nachwuchsarbeit seine Aufgabe, danach gelang es ihm und seinen Mitstreitern, den Segelclub in Köpenick als Leistungsstandort zu erhalten, und in diesem Jahr konnte er als Trainer sogar olympische Medaillen verbuchen. Bei den Paralympics in Sydney. In der Sonar-Klasse gab es für die von ihm betreute Crew mit Skipper Jens Kroker (Ludwigshafen/armamputiert), Peter Reichelt (Solingen/querschnittsgelähmt) und Peter Münter (Berlin/sehbehindert) nicht nur Silber, sondern der Kieler Jens Kröger schaffte im 2.4-Einmannboot sogar Gold.

Bernd Zirkelbach, der selbst 1976 als 470er-Segler mit Thomas Nelte knapp an der Olympia-Qualifikation gescheitert war, wurde anschließend von ihnen mit Geschenken überhäuft. So begeistert waren die Aktiven über seinen Anteil an diesem Abschneiden. Abgesehen davon, dass in der DDR die Behindertensegler keine Chance in seinem Leistungssportklub bekommen hätten, fühlte Zirkelbach plötzlich auch den Stolz anderer auf seine Arbeit. Es sonnten sich auch einige von denen in den Erfolgen, die vorher äußerst skepisch gewesen sind.

Für und Wider zeigen sich auch an einem anderen Beispiel: Während im Yachtklub Grünau der nachträgliche Einbau einer behindertengerechten Toilette und Dusche als notwendig erachtet wurde, haben die Planer des neuen Landesleistungszentrums gleich nebenan Gleiches nicht vorzuweisen ...

Für Bernd Zirkelbach, dessen Konzept anfangs belächelt wurde, ist klar, dass Leistungssegeln von Behinderten eine Zukunft hat. "Für mich war das auch eine große Umstellung", gibt er offen zu. Menschlich war vieles anders, aber auch finanziell. Mit 41 000 Mark, sein Honorar inbegriffen, hatte er eine Saison für zwei Bootsklassen zu bestreiten. Damit blieb kein Geld übrig, um nach der Weltmeisterschaft im März in Melbourne auch noch ausgiebig das Paralympics-Revier vor Sydney zu studieren. "Wir sind die weit über eintausend Kilometer mit dem Wohnmobil gefahren, denn selbst ein Hotel war nicht drin. Es hat sich jedoch gelohnt." Nunmehr gibt es Behinderten-Segler, die Vorbilder für andere Leidensgefährten sein können. Darum war es so wichtig, dass die Paralympics so erfolgreich für das siebenköpfige Team verliefen.

Keine Leute, keine Zeit, kein Geld - damit möchte sich Bernd Zirkelbach zukünftig nicht mehr abfinden. Fragen, wie alles werden soll, stellt er natürlich.

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