Sport : Sein Rhythmus oder kein Rhythmus Neuhaus kann noch nicht auf Mattuschka verzichten

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Macht den Unterschied. Unions Torsten Mattuschka ist in Topform. Foto: p-a/dpa Foto: picture alliance / dpa
Macht den Unterschied. Unions Torsten Mattuschka ist in Topform. Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Aufgebracht brüllte Michael Parensen Richtung Trainerbank. Dort stand Christoph Menz zur Einwechslung bereit, das allein war es aber nicht, was Parensen erzürnte. Vielmehr regte sich der Allrounder des 1. FC Union darüber auf, dass für Menz Kapitän Torsten Mattuschka ausgewechselt werden sollte, der bis dahin überragende Spieler. Im Stadion an der Alten Försterei wunderten sich auch viele Fans. Sie sahen, wie Parensen leidenschaftlich gegen die Entscheidung von Trainer Uwe Neuhaus protestierte, doch es half nichts: Mattuschka musste trotzdem runter. Zwischen dem 1. FC Union und dem FC St. Pauli waren noch zehn Minuten zu spielen und die Berliner führten nur 3:2. Der Sieg war alles andere als gesichert.

Die Szene sorgte nach Spielschluss für Gesprächsstoff. „Ich habe die Auswechslung nicht verstanden, dachte, wir nehmen bei diesem Spielstand eher einen Stürmer runter“, sagte Parensen. „Aber am Ende hat der Trainer alles richtig gemacht.“ Stürmer Simon Terodde traf unmittelbar nach Mattuschkas Auswechselung zum 4:2 (2:1)-Endstand. Es war das zweite Tor für Terodde an diesem Abend.

Mattuschka wollte sich später nicht zu seiner Herausnahme äußern, sagte nur: „Da müssen Sie den Trainer fragen.“ Der versuchte zu beschwichtigen, Neuhaus sagte: „Ich finde es gut, wenn Spieler sich Gedanken machen. Aber von der Trainerbank sieht man die Dinge doch etwas anders als auf dem Feld.“ Für Mattuschka fand Neuhaus gleichermaßen lobende und kritische Worte. „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, aber es gab auch Phasen, wo er mehr investieren und noch mehr Bälle hätte verteilen können. In der Schlussphase wollten wir dann die Defensive stärken, deshalb der Wechsel.“

Es war wie so oft in dieser Saison und speziell in den vergangenen Wochen. Mattuschka spielte stark, musste aber vorzeitig vom Feld. Bereits zehnmal wurde der Kapitän in dieser Spielzeit ausgewechselt, nach der Winterpause durfte er nur beim 3:1 gegen Sandhausen und beim 1:1 gegen Ingolstadt durchspielen. Zu Saisonbeginn saß er die ersten beiden Spiele sogar auf der Bank. Damals war Mattuschka laut Neuhaus nicht richtig fit. Union startete daraufhin schwach, erst als Mattuschka seinen Rhythmus fand, kamen die Berliner besser in Schwung. Als Mattuschka vor wenigen Wochen beim 1. FC Köln fehlte und Union nach schwacher Leistung 0:2 verlor, kam wieder die Frage auf, inwieweit Union von seinem Spielgestalter abhängig ist. Neuhaus reagierte meist gereizt und verwies darauf, dass es auch mit Mattuschka auf dem Feld Niederlagen gab.

Der Zeitenwechsel, wie Neuhaus ihn schon des öfteren versucht hatte einzuläuten, scheiterte bisher immer. Weder der Niederländer Santi Kolk noch der Tunesier Tijani Belaid konnten Mattuschka im zentralen Mittelfeld den Platz auf lange Sicht streitig machen. Beide sind längst weg. Union ist mit seinem Kapitän immer noch stärker als ohne ihn, auch wenn der in diesem Jahr 33 Jahre alt wird. Gegen St. Pauli etwa schoss er ein Tor selbst, zwei bereitete er mit präzisen Anspielen vor. Es gibt in der Zweiten Liga nicht viele Spieler, die in der Lage sind, den Ball so gefühlvoll in den Lauf der Mitspieler zu passen, wie Mattuschka es vor dem 1:0 und dem 3:2 tat. Vor weiteren Auswechselungen wird ihn das aber kaum bewahren. Sebastian Stier

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