Sport : Seine eigene Realität

Mathias Klappenbach

Es ist keine normale Situation, sich im Innenraum eines Fußballstadions unter den gespannten Augen tausender Menschen und einem Dutzend Fernsehkameras zu bewegen. Das Adrenalin strömt durch den Körper und verändert Handlungen und die Wahrnehmung, die vielen denkwürdigen Zitate von Spielern kurz nach Spielschluss sind auch diesem Umstand geschuldet.

Die Realität wird unterschiedlich erlebt und bewertet, abhängig von Vereinszugehörigkeit und Grad der Aufregung. Duisburgs Trainer Norbert Meier beispielsweise versetzte vor einem Jahr Kölns Albert Streit einen Kopfstoß und ging dann selbst theatralisch zu Boden. Als er sich später im Fernsehen sah, war er über sich schockiert und sagte, ohne die Bilder hätte er das Geschehen nicht mehr rekonstruieren können. Das mag stimmen, zumal Meier in eine körperliche Auseinandersetzung involviert war.

Mirko Slomka ist hingegen kein Spieler zu nahe gekommen, nicht mal einer seiner eigenen. Sie sind lieber demonstrativ und weiträumig an ihm vorbeigelaufen, um ohne ihn ein Tor zu feiern. Das war in diesem Moment vielleicht gar nicht so schmerzlich für den Schalker Trainer, weil er nach dem Treffer genug Adrenalin ausschüttete, um alleine glücklich zu sein. Aber spätestens ein paar Stunden nach dem Spiel müsste Slomka aufgegangen sein, wie die Szene auf fast alle außer ihn selbst gewirkt hat. Slomka hat jedoch auch im Ruhezustand seine Aussage nicht verändert, sich über die Geste der Geschlossenheit seiner Mannschaft gefreut zu haben. Das nennt man dann den Verlust von Realität.

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