Sport : Sekt und Selters

Gute und schlechte Überraschungen bei den Beachvolleyballern

Felix Meininghaus

Timmendorfer Strand. Manchmal stellt sich erst später heraus, dass sich eine Entscheidung gelohnt hat, selbst wenn es schmerzhaft war, sie zu fällen: Tonya Williams hat sich vor Jahren für ihren amerikanischen Pass und damit gegen eine Karriere als deutsche Nationalspielerin im Sand ausgesprochen. Mit der Folge, dass ihr mit Partnerin Ines Pianka eine olympische Zukunft verwehrt blieb. Für den Erfolg bei den deutschen Meisterschaften im Beachvolleyball war das hilfreich: Während sich die Auswahlduos beim Kampf um Qualifikationspunkte für Athen fern der Heimat in Japan und China aufrieben, konnten sich Pianka/Williams in aller Ruhe auf die deutschen Meisterschaften vorbereiten.

Und so marschierten die an Nummer fünf gesetzten Routiniers aus dem westfälischen Hamm am gesamten Feld der vor ihnen platzierten Profis vorbei zu ihrer ersten Meisterschaft, die mit 7000 Euro Preisgeld versüßt wurde. Für Ines Pianka erfüllte sich damit ein seit Jahren gehegter Herzenswunsch. Zwei Finalteilnahmen, ein dritter Platz und nun der Sprung nach ganz oben. „Ich bin superglücklich hier stehen zu dürfen“, sagte die 34-Jährige, als sie mit ihrer Partnerin das Treppchen mit der Nummer eins erklommen hatte. „Ich wollte das schon so lange, jetzt ist es endlich so weit.“

Während der Triumph am Ostseestrand für die ehemalige Zuspielerin der Hallen-Nationalmannschaft und ihre 35-jährige Mitspielerin eine späte Würdigung für außergewöhnliche Leistungen am Netz bedeutete, mussten sich die führenden Teams mit dem Gedanken anfreunden, dass ihnen beim nationalen Saisonhighlight die Show gestohlen worden war. Pianka/Williams schlugen im Halbfinale ihre Vorgängerinnen Stephanie Pohl und Okka Rau, um danach vor über 6000 Zeugen auf dem Center Court auch noch das Nationalteam Andrea Ahmann und Jana Vollmer mit 2:1 (18:21, 21:18, 15:13) hinter sich zu lassen.

Den Profis auf Tour tat das Scheitern weh, denn die Meisterschaften besitzen in der nationalen Szene traditionell einen enorm hohen Prestigewert. Sponsoren und Fans wollen ihre Helden im Wembley der Beachvolleyballer siegen sehen. „Wir hätten am liebsten auf die strapaziöse Reise nach Ostasien verzichtet, um uns intensiver auf die deutschen Meisterschaften vorbereiten zu können“, betonte Olaf Kortmann, Trainer von Pohl/Rau: „Aber was sollten wir machen, die anderen sind ja auch alle gefahren.“ Also mussten die gestressten Sandwühler Tribut zollen. Susanne Lahme, die mit ihrer Partnerin Danja Müsch auf Rang drei landete, klagte am Freitagabend, sie sei platt. Stephanie Pohl wurde vor dem Halbfinale von einem Magen-Darm-Virus geschüttelt, musste sich übergeben und ließ sich eine Infusion legen, um spielen zu können.

Von solchen Befindlichkeiten blieb das Feld der Männer weitgehend verschont. Was auch dem Umstand geschuldet war, dass die Teams im Vorfeld der Meisterschaften international nicht gefordert waren. Alle gingen in Timmendorf ausgeruht an den Start, folglich blieben die großen Überraschungen aus. Das Finale machten die beiden führenden Duos unter sich aus. Am Ende siegten Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug gegen die Europameister Markus Dieckmann und Jonas Reckermann mit 2:0 (26:24, 21:11). Und dann lagen sich alle Protagonisten in den Armen und die Jubelarien wurden von Sektfontänen begleitet.

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