Sport : Serben unter sich

Albas Center Jovo Stanojevic trifft im Europaligaspiel gegen Vitoria auf seinen Vorgänger Dejan Koturovic

Helen Ruwald

Berlin. Die Aufgabe ist knifflig. Jovo Stanojevic will seinen Gegner ausschalten, Dejan Koturovic den Ball wegschnappen, bevor er ihn in den Korb stopft, und bei den Rebounds ein Stück höher springen als der Center von Tau Vitoria, der heute zum Basketball-Europaligaspiel bei seinem ehemaligen Klub Alba Berlin antritt (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Koturovic darf nichts gelingen. Aber gleichzeitig will Stanojevic von seinem Vorgänger lernen, schließlich „ist er älter und erfahrener als ich“, sagt der 26-Jährige über den fünf Jahre älteren Kollegen. Doch wenn es Koturovic gelingt, sich vorbildlich in Szene zu setzen, bedeutet das womöglich Punkte gegen Alba. „Ich werde alles tun, was möglich ist, um ihn zu stoppen“, kündigt der Berliner Center deshalb an. Und will sein eigenes Lernprogramm darauf reduzieren, sich nebenher den einen oder anderen Bewegungsablauf des Älteren abzuschauen.

Wenn Stanojevic seinen Landsmann aus Serbien-Montenegro bremsen könnte, käme das nicht nur Alba zugute, das die bisherigen drei Europaligaspiele verloren hat, sondern auch Stanojevic selbst. Im Frühjahr wurde er zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt, doch derzeit „spiele ich sehr, sehr schlecht“, sagt er, „ich bin überhaupt nicht zufrieden mit mir“. Mehrere kleine Verletzungen brachten ihn aus dem Rhythmus, „jetzt ist das mehr ein mentales als ein physisches Problem“, sagt Trainer Emir Mutapcic. Gegen Vitoria und damit auch gegen Koturovic will Stanojevic sich ein Stück aus dem Loch herausarbeiten, in dem er steckt.

Sie sind beide Center, kommen aus demselben Land – doch das sind schon alle Gemeinsamkeiten von Stanojevic und Koturovic. Über den Jüngeren hat Mutapcic einmal gesagt, „er sei ein netter Mann, der einen guten Charakter hat. Er ist fair und korrekt.“ Stanojevic ist verheiratet und hat einen halbjährigen Sohn, liebt Hunde und Piranhas, beide hielt er sich in Belgrad als Haustiere. Er ist solide – ein Wort, das gewiss nicht dazu taugt, um den Menschen Koturovic zu beschreiben. Als Alba ihm 2001 nach einer Verletzung zu Saisonbeginn Sonderurlaub gewährte, verlängerte er diesen eigenmächtig und wurde suspendiert. Erst als die Berliner wegen vieler Verletzter immer mehr Spiele verloren, holten sie Koturovic zurück. Nach dem Gewinn des Meistertitels 2002 wechselte er von Alba zunächst zu Virtus Bologna. Im Sommer zog er weiter in die nordamerikanische Profiliga NBA zu den Phoenix Suns, die ihn aber vor zwei Wochen nach Spanien abgaben. Bei Tau Vitoria erhielt der Center einen Zweimonatsvertrag und darf mitwirken, solange die etatmäßigen Center Luis Scola und Andrew Betts verletzt ausfallen.

In der Europaliga machte Stanojevic in der vergangenen Saison im Schnitt 15,6 Punkte, Koturovic 10,5, in der Runde der Top 16 waren es sogar 16,0. Bei seinen beiden internationalen Auftritten für Vitoria standen zwei und acht Punkte zu Buche, Stanojevic machte im selben Zeitraum bei mehr Spielzeit drei (gegen Wroclaw) und acht Punkte (gegen Valencia). Doch auch auf dem Spielfeld gibt es Unterschiede. Stanojevic freut sich leise, Koturovic laut. „Dejan lebt von seinen Emotionen, ist deshalb aber auch nicht so konstant“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi, „Jovo ist konstanter, er kann und will seine Emotionen kontrollieren.“

Die unterschiedlichen Charaktere spielten „vor sechs, sieben Jahren zweimal gegeneinander, er war bei Partizan Belgrad, ich bei Roter Stern. Das eine Spiel hat er gewonnen, das andere ich“, erinnert sich Stanojevic. Koturovic wurde 2002 Weltmeister, Stanojevic wurde trotz starker Leistungen nicht für das WM-Team nominiert. In manchen Dingen kann der Jüngere tatsächlich vom Älteren lernen. Es muss ja nicht heute Abend sein.

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