• Serie: Wann ist am besten Schluss? (Teil 4): Deshalb macht Tommy Haas immer weiter

Serie: Wann ist am besten Schluss? (Teil 4) : Deshalb macht Tommy Haas immer weiter

Der frühere Fußballnationalspieler Marcell Jansen hört mit 29 Jahren auf. Roger Federer ist vier Jahre älter und immer noch einer der weltbesten Tennisspieler. Was treibt den einen noch an, und warum beendet der andere seine Karriere so früh? Fünf Sportler erzählen. Dieses Mal: Thomas Haas.

Thomas Haas
Auch mit 37 Jahren ist Tommy Haas immer noch heiß auf Tennis.
Auch mit 37 Jahren ist Tommy Haas immer noch heiß auf Tennis.Foto: dpa

Thomas Haas, 2002 Zweiter der Tennisweltrangliste. Aktuell ist er mit 37 Jahren einer der ältesten Spieler auf der Tour:

Als vor einem Jahr klar war, dass ich mich zum vierten Mal an der Schulter operieren lassen muss, war es zuerst ein Schock für mich. Aber dann wusste ich sofort, dass ich so auf keinen Fall aufhören will. Ich möchte selber entscheiden, wann Schluss ist. Meine Tochter Valentina ist jetzt bald fünf Jahre alt und es wäre schön, wenn sie mich noch bewusst Tennisspielen sehen würde. Manchmal feuert sie mich schon an und ruft "Go, Daddy, go!" oder nach einer Niederlage guckt sie mich an und sagt: "Das ist okay. Nächstes Mal machst du es besser." Das ist schon witzig. Sie ist ein wichtiger Grund, aber ich habe auch einfach noch nicht das Gefühl aufzuhören.

Ich bin immer noch hungrig. Ich will den Wettkampf und sehen, welchen Gegner ich noch ein bisschen ärgern kann. Es war viel Drecksarbeit, nach der OP zurückzukommen. Aber ich habe es schon ein paar Mal geschafft. Das zu wissen, hat mir geholfen. Und wenn ich dann wie gerade in Wimbledon auf Court No. 1 spielen darf, mit dem Publikum auf meiner Seite, dann ist das etwas ganz Besonderes. Und dann haben sich die letzten zwölf Monate Quälerei schon wieder gelohnt. Dann weiß ich wieder, warum ich mich so reinhänge und es unbedingt nochmal versuchen will.

"Das Herz rast, man kann kaum atmen"

Es ist toll, zurück auf der Tour zu sein, obwohl es auch sehr hart ist. Es sind so viele Emotionen auf dem Platz, an die man sich erst wieder gewöhnen muss. Das Herz rast, man kann kaum atmen, die Beine werden schwer, die Arme auch. Und irgendwann geht einem durch den Kopf: Bin ich eigentlich bereit dafür? Es ist schwer, weil ich weiß, wie ich spielen könnte. Meine Schulter braucht Geduld, aber die hatte ich eigentlich nie.

Ich bin von der Kraft her noch nicht da, wo ich sein möchte. Aber ich bin auf einem guten Weg. Ich werde jetzt so viele Turniere wie möglich spielen und dann am Saisonende schauen, wo ich stehe. Ob eine Besserung da ist und ob es Sinn macht, im nächsten Jahr nochmal anzugreifen.

Mein Traum ist es, bei einem großen Turnier tschüß zu sagen. Dann haben auch die Fans noch mal eine Chance, Abschied zu nehmen. Mit meiner Familie und Freunden gäbe es eine große Party und das war's dann. So stelle ich mir das vor. Aber noch bin ich da und sehr dankbar für diese Gelegenheit. Jimmy Connors hat 1991 mit 39 Jahren noch das Halbfinale bei den US Open erreicht.

Ob ich so lange durchhalte, weiß ich nicht, aber es inspiriert mich. Ehrgeiz und Wille sind noch da und ich habe die Frische im Kopf. Ich war so oft verletzt meiner Karriere, daher fühle ich mich noch gar nicht wie 37. Höchstens wie 33. (Aufgezeichnet von Petra Phillipsen)

In dieser Woche veröffentlichen wir jeden Tag um 12:00 Uhr einen neuen Teil aus unserer Serie "Wann ist am besten Schluss" über das Karriereende folgender Leistungssportler:

Teil 1: Frank Busemann

Teil 2: Magdalena Neuner

Teil 3: Tobias Rau

Teil 4: Thomas Haas

Teil 5: Henry Maske

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