Sport : Servus, Hansi Hinterseer

Österreichs Skifahrer unterbieten in Are ihr bisher schlechtestes WM-Ergebnis von 1978

Markus Huber[Wien]

Am Mittwoch, dem 14. Februar 2007 hat Hansi Hinterseer also seinen Schrecken verloren. Gut, nicht unbedingt in Sachen Musik, denn da ist der bekannteste Fell-Moonbootsträger der Welt nach wie vor zwischen Musikantenstadl und Grand Prix der Volksmusik unterwegs. Aber zumindest, was den Sport betrifft: Beim Weltmeisterschafts-Riesenslalom 1978 war Hinterseer nämlich als bester Österreicher 14. geworden. Es war das schlechteste WM-Ergebnis aller Zeiten für Österreich. Bis zum Mittwoch: Denn da wurde Hermann Maier, der beste Österreicher im Riesenslalom, in Are gerade mal Einundzwanzigster.

Ein Debakel für die erfolgsverwöhnte Skination. Schlimmer als alles, was man im Skifahren jemals erlebt hatte. Und für das nationale Ego noch kränkender als seinerzeit die 9:0-Ohrfeige der Spanier in der Fußball-EM-Qualifikation 1999 oder die Volksverhöhnung im Jahre 1990, als Österreich gegen die Färöer 0:1 verlor. Denn dass die Österreicher im Fußball Zwerge sind, damit haben sie sich abgefunden. Aber im Skifahren? Deklassiert nicht nur von den Schweizern, den Amerikanern und Kanadiern, sondern sogar von den Franzosen und Norwegern?

Ski-Legende Franz Klammer lästerte: „Ich habe den schwedischen König ersucht, das Ziel in Are bis April stehen zu lassen. Es könnte ja noch ein Österreicher kommen.“ Zum ersten Mal seit langem muss sich der mächtige Skiverband (ÖSV), der nicht nur seine Läufer, sondern auch die Heimpresse im Griff hatte, herbe Kritik gefallen lassen. Sowohl am Boulevard als auch in den Qualitätsmedien, sogar im Staatsfernsehen wird die Krise rauf und runter analysiert. Unverhohlen fordern Medien ein großes Rauswerfen im Trainerstab. Die Trainer selbst glauben, keine Fehler gemacht zu haben und geben allein dem Pech die Schuld.

Doch tatsächlich hat der ÖSV, zumindest bei den Herren, längst nicht mehr jene Ausnahmestellung wie noch vor wenigen Jahren. Für das Riesenslalom-Team konnte sich mit Christoph Gruber jemand qualifizieren, der in dieser Saison noch keinen Top-Ten-Platz in diesem Wettbewerb vorzuweisen hatte. Noch vor ein paar Jahren reichten im ÖSV manchmal nicht einmal Weltcup-Siege, um sich für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren. Woran liegt es also?

Kilian Albrecht, der vom ÖSV ausgemustert worden war und nun für Bulgarien startet, glaubt, dass das Training nicht mehr zeitgemäß sei: „Die Trainer bleiben bei uns viel zu lange“, dadurch leide die Modernisierung. Und nach wie vor wird im ÖSV vor allem in den sogenannten Trainingsgruppen trainiert, fünf, sechs Läufer, die von einem Spartentrainer betreut werden. Das ständige Kräftemessen sollte alle anspornen. Das funktionierte auch, solange in den Gruppen ein für die anderen Nationen unerreichbares Niveau herrschte. Wenn aber selbst die besten Österreicher nicht mehr zu den Besten der Welt gehören, funktioniert das so nicht mehr. Und auf der Strecke bleibt jenes Individualtraining, das kleinere Skinationen naturgemäß machen, weil sie weniger Läufer zu betreuen haben.

Unbestritten ist auch, dass es innerhalb des ÖSV ein Altersproblem gibt. Im Vergleich zu den Schweizern, die bei der WM mit unbekümmerten jungen Läufern wie Marc Berthod und Daniel Albrecht an den Start gingen, sind es bei den Österreichern seit Jahren dieselben Namen. Hermann Maier, Fritz Strobl oder Michael Walchhofer sind zum Teil weit jenseits der 30. Nachwuchs, der in ihrem Windschatten zur Weltspitze reift, gibt es kaum. Der Norweger Axel Lund Svindal sagte kürzlich einer österreichischen Zeitung, dass er schon seit vielen Rennen keine neuen österreichischen Gesichter gesehen habe. Andererseits kann Svindal das auch freuen. Er hat in Are bislang zwei Goldmedaillen gewonnen. Zwei mehr als Österreichs Skiherren gemeinsam.

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