Sport : Sicherheit verdreifacht

Ingo Wolff

Peter Vaas greift für einen Fotografen nach einem Feldstecher, der für eine Mark den Blick vom Fernsehturm auf die Stadt freigibt. Doch für den Coach von Berlin Thunder ist das Fotoshooting über den Dächern Berlins eher lästige Pflicht denn echte Informationsneugier. Es ist nicht sein erster Besuch auf dem höchsten Gebäude der Stadt. Und so weist sich der 47-jährige Footballtrainer beim Blick auf das Häusermeer als Berlin-Kenner aus. Er erspäht auch mit bloßem Auge das Jahnstadion, in dem Thunder seine Heimspiele austrägt. Das reicht ihm, zumal es ein wenig diesig ist.

Vielleicht ebenso diesig wie der Ausblick auf die kommende Saison der europäischen Footballliga. Der Coach ist aus New Hampshire nicht nur nach Europa gekommen, um zusammen mit fünf Trainerkollegen aus der NFL Europe die nicht-amerikanischen Spieler für die Saison 2002 zu sichten. Neben deren so genannten Tryout steht ab heute in Frankfurt am Main auch die Zukunft der NFL Europe auf der Tagesordnung.

Die Ligaleitung ist aus New York nach Deutschland gekommen, um mit den Managern der sechs Teams über die Zukunft der europäischen Liga zu diskutieren. Nach den Anschlägen in den USA vom 11. September ist das Sicherheitsbewusstsein der Amerikaner enorm gestiegen, auch in der NFL. "Die Sicherheitsvorkehrungen bei jedem Spiel betragen derzeit das Dreifache des Normalen", erzählt der einzige deutsche Spieler in der NFL, Patrick Venzke. Im New Yorker Hauptquartier der Liga macht man sich deshalb auch Gedanken über die Sicherheit in Europas Stadien. Bei einzelnen amerikanischen Teameignern gibt es große Sicherheitsbedenken, gibt Peter Vaas zu. "Doch die Saison findet zu 95 Prozent statt", sagt Vaas. Aber fünf Prozent sind für den sonst so optimistischen Coach eine ganze Menge.

Trotzdem geht er ebenso wie Manager Michael Lang davon aus, dass Berlin Thunder ab April den Titel als World-Bowl-Champion verteidigen kann. Die Vorbereitungen dazu laufen jedenfalls. Der Spielplan wird erstellt, die nicht-amerikanischen Spieler, die den Kader wieder auffüllen werden, zeigen sich den Trainern, und auch die Trainingslager im Frühjahr werden normal vorbereitet. "Ich glaube eher, dass die NFL die Sicherheit in den Stadion erhöhen wird", sagt Vaas. Er geht davon aus, dass amerikanische Sicherheitsbeamte in den Stadien anwesend sein werden. Auch beim Transport der Teams per Flugzeug von den USA nach Europa wird wohl die Sicherheit verschärft. Dennoch denkt Vaas wie viele Amerikaner nicht an ein Nachgeben gegenüber den Terroristen. Besonders seit er sich kürzlich in New York selbst ein Bild von Ground Zero gemacht hat. Von dort ist es nämlich nicht weit zum Hauptquartier der NFL.

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