Sport : Sie wollen die Eisbären sehen

Vor 14 200 Zuschauern schlagen die Berliner die Frankfurt Lions mit 6:5 nach Penaltyschießen

Claus Vetter

Berlin – Es läuft anscheinend alles ganz einfach bei den Eisbären in ihrer neuen Arena am Ostbahnhof. Ob Wochenende oder Wochentag, das Volk strömt in die O2-World. Auch am Dienstag wollten 14 200 Zuschauer die Eisbären sehen, somit war auch das vierte Punktspiel des deutschen Eishockeymeisters in dieser Saison ausverkauft. Eine erstaunliche Bilanz, die Billy Flynn aber gar nicht so erstaunlich findet. „Die Mannschaft betreibt eben herausragende Werbung mit ihrer sportlichen Leistung“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Klubs. Den Ergebnissen nach stimmte das bislang in dieser Saison in neun von elf Spielen: Denn auch am Dienstag siegten die Eisbären – diesmal mit ein wenig Glück 6:5 (2:1, 2:2, 1:2/1:0) nach Penaltyschießen gegen die Frankfurt Lions. Sven Felski schoss das Siegtor für die Eisbären.

Der Weg zum neunten Saisonsieg war dabei schon von hohem Unterhaltungswert. Zehn Tore in 60 Spielminuten, ein munteres Auf und ab – und dann zum Höhepunkt das Penaltyschießen: Die Eisbären stolperten sich erstaunlich unbeholfen in das Geschehen, fanden dann aber nach ein paar Glücksschüssen ins Spiel und lagen doch nach der Hälfte der Partie 2:3 zurück. Besonders der ehemalige Berliner Christoph Gawlik hatte bis dahin die Eisbären und ihre Fans reichlich genervt – mit einer Vorlage und einem schönen Überzahltor. Aber Matchwinner wurde Gawlik trotzdem nicht, weil die Eisbären nach dem dritten Frankfurter Tor durch Gawlik durch ihr plötzlich exzellentes Überzahlspiel doch energischer wurden und beide Teams es mit der Abwehrarbeit nicht ganz so genau nahmen.

Nach zwei Dritteln und Treffern von Frank Hördler, Andy Roach, Nathan Robinson und Denis Pederson führten die Eisbären somit nicht unverdient 4:3. Und Matt McIlvane, einer der jüngeren Eisbären-Profis, sagte in der zweiten Pause: „Die Tore von Robinson und Pederson waren enorm wichtig. Wir wissen, dass wir uns auf unsere erfahrenen Spieler verlassen können.“

Seltsamerweise können sich die Eisbären zurzeit oft darauf verlassen, dass Steve Walker und die andere Handvoll erfahrener Kollegen im entscheidenden Moment immer eine gute Idee haben. Gegen die sehr rustikal spielenden Frankfurter allerdings war das nicht durchweg der Fall. Die Lions glichen im letzten Abschnitt zum 4:4 durch Derek Hahn aus. Und als dann der junge McIlvane nach seinem Kontertor zum 5:4 schon die entscheidende Figur des Spieles zu werden schien, gelang Jason Young zwei Minuten vor Ablauf der 60 Spielminuten das Tor zum 5:5.

Die Zuschauer bekamen also noch eine Zugabe: Es musste, wie schon am Freitag bei den Eisbären, in die Verlängerung gehen. Die blieb torlos und die Entscheidung sollte im Penaltyschießen fallen, wie am Freitag,als die Eisbären 3:2 gegen die Nürnberg Ice Tigers gewannen. Gegen Nürnberg war Sven Felski der entscheidende Torschütze gewesen. Und gegen die Frankfurter hieß der Berliner Siegtorschütze wieder Sven Felski.

Als dann das Spiel seinen dramatischen Höhepunkt hinter sich hatte, hellte sich auch die Miene von Peter John Lee auf. „Ich wusste, dass der Sven trifft“, sagte der glückliche Berliner Manager. In ungemütlich wirkender Position hatte Lee zuvor das Spiel auf einem Polstersitz in der ersten Reihe hinter dem Plexiglas verfolgt. „Irgendwann werden wir auch mal ein Spiel in unser neuen Halle verlieren“, hatte Lee erst kürzlich gesagt. Auf den Tag freue er sich natürlich nicht. Am Dienstag allerdings konnte sich Lee freuen: Da führten die Eisbären wieder einmal publikumswirksam Regie im eigenen Haus – wenn auch nicht so eindrucksvoll wie in den Heimspielen zuvor.

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