Sport : Sieg der Moderne

Claus Vetter

Die Eisbären sind Deutscher Meister im Eishockey. Zum zweiten Mal in Folge, und das ist folgerichtig. Auch wenn im September, zu Saisonbeginn, viele der verjüngten Mannschaft des Meisters die Titelverteidigung nicht zugetraut haben. Zu groß war die Liste der Abgänge prominenter Spieler in Berlin, übrig geblieben war nach dem Titelgewinn ein „Kindergarten“, spotteten Kritiker. Zu Unrecht, denn in Berlin wird seit vier Jahren – so lange wie Pierre Pagé in Hohenschönhausen Trainer ist – an die Zukunft gedacht. Die Eisbären haben mehr junge deutsche Spieler als die Konkurrenz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ausgebildet und eingesetzt. In Berlin ist ein Team gewachsen und nicht zusammengeschustert worden, wie das bei vielen Klubs üblich ist, da oft nur an den schnellen Erfolg gedacht wird.

Die Eisbären aber spielen mit Perspektive, sie haben ein Reserveteam in der dritten Liga und haben mehr Spieler als die Konkurrenz zur Verfügung. Das kostet weniger Kraft, zeitigt weniger Verletzungen und macht das Spiel schneller: Die Berliner stürmen immer mit vier Reihen, während etwa Finalgegner Düsseldorf angesichts weniger Personal nur mit drei Reihen agieren konnte. Das ist Eishockey aus einer anderen, alten Zeit: Es muss nicht erstaunen, dass gestern die Moderne gesiegt hat – und die repräsentieren in der DEL vor allem die Eisbären. Vielleicht aber hat die Konkurrenz beim Beispiel Berlin in dieser Saison genau hingeschaut, um künftig etwas abzuschauen. Das würde es den Berlinern erschweren, zum dritten Mal in Folge den Titel zu holen, aber das Eishockey in der Liga moderner machen.

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