Sieg gegen Ägypten : Handballer feiern WM-Auftaktsieg

Gelungener Einstand für die deutschen Handballer: Im ersten WM-Spiel bezwang die Mannschaft von Bundestrainer Brand Ägypten. Linksaußen Gensheimer und eine starke Abwehr waren die Garanten für den Erfolg.

Erik Eggers
Trickreich, wendig, schlau. Auf dem Stammplatz von Torsten Jansen brachte Uwe Gensheimer die Gegner zur Verzweiflung.
Trickreich, wendig, schlau. Auf dem Stammplatz von Torsten Jansen brachte Uwe Gensheimer die Gegner zur Verzweiflung.Foto: dpa

Selbst die Funktionäre konnten Uwe Gensheimer kaum halten. Als es darum ging, den besten deutschen Profi nach dem deutschen Auftaktspiel bei der 22. Handball-WM in Schweden zu ehren, war der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen zunächst entwischt. Zuvor hatte der 24-Jährige ein fast perfektes Handballspiel auf das Parkett der Arena in Lund gezaubert: Beim 30:25 (15:12)-Sieg gegen Ägypten hatte Gensheimer neun Tore erzielt – in neun Versuchen. „Es hat Spaß gemacht“, sagte er, wollte aber den Auftaktsieg nicht überbewerten. „Es war nur ein Spiel, nicht mehr und nicht weniger.“ Freilich ist mit diesem Sieg der Grundstein gelegt für den Einzug in die Hauptrunde. Als nächster Gegner wartet am Sonntag zunächst Bahrain (16.15 Uhr, live in der ARD), der krasse Außenseiter in der schweren Gruppe A.

Bundestrainer Heiner Brand war die Erleichterung anzusehen. Wie groß der Druck in dieser Partie gewesen war, hatten die Scharmützel des 58-Jährigen Gummersbachers mit dem slowenischen Kampfrichter Leon Kalin in der ersten Halbzeit gezeigt. „Was soll das?“, schrie Brand Kalin an und entging nur knapp einer Zeitstrafe. Insgesamt war der Bundestrainer mit dem ersten Auftritt seines Teams sehr zufrieden. „Ich bin froh, dass wir das ganze Spiel dominiert haben und sehr konzentriert aufgetreten sind“, sagte Brand. „Leider haben wir in der Schlussphase versäumt, das weiter zu führen.“

Für Uwe Gensheimer fand Brand ausschließlich lobende Worte. „Der Abschluss ist ja seine Stärke, das sind wir von ihm gewohnt. Aber ich bin auch sehr mit seinen Aktionen in der Abwehr einverstanden. Er hat sich da sehr gut bewegt.“ Gensheimer hatte auf der Halbposition, die der überraschend ausgebootete Hamburger Torsten Jansen zuvor jahrelang ausgefüllt hatte, stark gespielt. Mit Blick auf die Diskussionen um die Nicht-Nominierung Jansens war das wichtig für Brand. Sogar einen Block steuerte Gensheimer in der zweiten Halbzeit zur Statistik bei. „Den habe ich gar nicht gesehen, aber den werden wir natürlich noch feiern“, sagte Brand. Ein solches Lob aus dem Mund des Bundestrainers ist ein rares Gut.

Mit Anpfiff hatte Gensheimer demonstriert, warum Fachleute ihn derzeit als den besten Linksaußen auf dem Globus einstufen: Nachdem er über den Rückraum eingelaufen war, setzte er sich kraftvoll durch und versenkte den Ball zum 1:0. Der Mannheimer war nicht mehr zu stoppen, setzte nach zum 2:0, und dann vollendete er einen seltenen Hattrick innerhalb von gut zwei Minuten zum 8:5. Trickreich, wendig, schlau, schnell, ausgestattet mit einem riesigen Arsenal an Wurfvarianten – die Ägypter, insbesondere die Torleute, verzweifelten an den kunstvollen Aktionen des Linksaußen, der mit dem 10:7 bereits seinen siebten Treffer erzielte.

Trotz Gensheimers Spielfreude konnte sich die deutsche Mannschaft in der ersten Halbzeit noch nicht entscheidend absetzen. Zwar stand die Deckung gut gegen die beweglichen und unorthodox spielenden Nordafrikaner. Aber in der Offensive hatte der Rückraum zunächst noch Probleme mit der aggressiven 3-2-1-Formation des Gegners.

Zum Pausenstand von 15:12 und noch bis zum 18:15 waren die Ägypter in Schlagdistanz, aber dann trafen die Deutschen dreimal in Folge und sorgten so für eine Vorentscheidung. Immer wieder konnten sich die deutschen Stars nun auch im Duell Mann gegen Mann durchsetzen. Als Glandorf zum 29:21 (56.) traf, war sogar ein Kantersieg möglich. Aber das Team um Kapitän Pascal Hens ließ es danach etwas ruhiger angehen.

„Dieses Spiel war sehr wichtig für uns“, sagte Hens. „Wir hatten ein wenig Angst vor dem Anfang“, sagte Holger Glandorf – der zehnte Platz bei der EM 2010 hatte einige Handballer offenbar doch verunsichert. Das war vielleicht die schlüssigste Erklärung für die – von Gensheimer abgesehen – zunächst etwas schwer ins Spiel findende Mannschaft.

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