Sieg gegen den FC Bayern München im Supercup : Nicklas Bendtner: Die Extravaganz des VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg spielte im Supercup gegen die Bayern recht simpel und wenig zauberhaft - bis Nicklas Bendtner in die Rolle des Helden schlüpfte.

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Zum Sieg gewechselt. Nicklas Bendtner hat sich in Wolfsburg bisher nicht durchsetzen können. Gegen den FC Bayern kam er erst nach 70 Minuten ins Spiel, wurde dann aber zum Held des Abends. Erst traf der Däne kurz vor Schluss zum 1:1 und sicherte dem VfL den Supercup später mit dem entscheidenden Tor im Elfmeterschießen.
Zum Sieg gewechselt. Nicklas Bendtner hat sich in Wolfsburg bisher nicht durchsetzen können. Gegen den FC Bayern kam er erst nach...Foto: dpa

Vielleicht braucht es eine solch eigenwillige Person für die ganz großen Taten. Einen Mann, der selbst nicht so genau weiß, was eigentlich im nächsten Moment passiert. Nicklas Bendtner sieht an normalen Arbeitstagen wie jemand aus, der seinen Beruf verfehlt hat und die Regeln des bezahlten Fußballs als ganz große Strafe empfindet. An diesem besonderen Abend aber, an dem der VfL Wolfsburg im Duell mit dem FC Bayern München den Supercup gewann, schlüpfte der Däne in die Rolle des Helden. „Ich hoffe, der Groschen ist bei ihm gefallen“, sagte VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs über den Spieler, der am Samstagabend den Unterschied ausgemacht hatte. Es steht zu vermuten, dass die erfolgsverwöhnten Profis des FC Bayern an alles geglaubt haben – nur nicht daran, dass dieser Bendtner mehr Dusel als sie selbst besitzt und sich ein Krönchen aufsetzt.

Die Erfindung des Supercups, der als Werbevehikel der Fußball-Bundesliga gedacht ist, wird immer wieder gerne belächelt. Zwei Wochen vor dem Saisonstart hatte das Duell zwischen dem Pokalsieger aus Wolfsburg und dem Meister aus München aber eine ganze Menge zu bieten. Die Niedersachsen haben ihren Kader bisher nur dezent verstärkt. Vor allem ihr Cheftrainer Dieter Hecking setzt darauf, aus seiner ohnehin schon gut besetzten Mannschaft noch mehr herauskitzeln zu können. „Wir haben Blut geleckt“, sagte der Coach nach einem Spiel, das die Wolfsburger vor 30 000 Zuschauern mit 6:5 nach Elfmeterschießen gewonnen hatten. Warum? Weil die Bayern mit ihrer Führung, die Arjen Robben in der 49. Minute erzielt hatte, fahrlässig umgegangen waren. Und weil dieser Bendtner Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit den Ausgleich geschossen und später den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte.

Dreimal in Folge verpasst der FC Bayern den Gewinn des Supercups

Am späten Abend, als die Wolfsburger Profis noch durch den Konfettiregen tanzten und die Münchener sich im Kellergeschoss des Stadions ärgerten, ging es nur um die eine und zentrale Frage. Kann der VfL Wolfsburg dafür sorgen, dass das Titelrennen in der Bundesliga wieder an Spannung gewinnt und die Münchner sich häufiger ärgern müssen? „Wir sind auf einem guten Weg und werden sie nicht in Ruhe lassen“, versicherte Linksverteidiger Ricardo Rodriguez. Ihm und seinen Kollegen war ein passabler Auftritt gelungen, der aber nicht zwangsläufig mit einer Trophäe hätte belohnt werden müssen. Es waren vielmehr Nachlässigkeiten im Bayern-Spiel, die für Spannung gesorgt hatten. „Wir haben uns nicht belohnt. Das ist ärgerlich. Das darf nicht passieren, ein Gegentor in der letzten Minute“, resümierte der von seiner muskulären Verletzung genesene Bayern-Star Robben.

Dreimal in Folge hat der FC Bayern nun schon den Gewinn des Supercups verpasst. In diesem Jahr ist mit Bendtner ausgerechnet jener Mann daran schuld, der seit einem Jahr vergeblich versucht, seine einst vielversprechende Karriere in Wolfsburg erfolgreich fortzusetzen. Aber der Däne war am Samstagabend eben auch genau jenes Überraschungsmoment, das die Münchner ins Wanken brachte. Wolfsburg spielte im Grunde recht simpel und wenig zauberhaft.

Die Mannschaft von Dieter Hecking suchte von Kevin de Bruyne schnörkellos angetrieben den Weg zum Erfolg. Aber in Halbzeit zwei, als mit Max Kruse, Andre Schürrle, de Bruyne und eben Bendtner gleich vier Angreifer auf dem Platz waren, muss dem FC Bayern der Blick auf das Große und Ganze verlorengegangen sein. Der Serienmeister scheiterte an einem VfL Wolfsburg, dessen Erfolgsteam aus der vorherigen Saison kaum verändert ist und der selbst eine hausinterne Extravaganz wie Bendtner gut verkraften kann.

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