Sieg vergeben : Union - Cottbus: Leidenschaft, die Leiden schafft

Der 1. FC Union spielt nach Führung 1:1 gegen Energie Cottbus und ärgert sich über einen vergebenen Sieg im berlin-brandenburgischen Derby.

Katrin Schulze
1. FC Union Berlin - Energie Cottbus
Nichts halbes und nichts Ganzes. Der Unioner Michael Bemben (links) im Duell mit dem Cottbuser Alexander Bittroff.Foto: dpa

Es wirkte ein bisschen so, als hätten die Trainer in der Halbzeit die Rollen getauscht. Exzentrisch turnte Energies Claus-Dieter Wollitz an der Seitenlinie herum – und kriegte sich in den ersten 45 Minuten kaum ein. Seine aufwendige Körpersprache drückte vor allem eines aus: Verzweiflung. Immer wieder zuckte er mit den Schultern, winkte ab. Dabei gelang seinen Cottbusern beim Zweitligaspiel gegen den 1. FC Union am Freitagabend immerhin ein 1:1 (0:1) – vor allem dank eines besseren zweiten Abschnitts. Da nämlich war es sein Gegenüber Uwe Neuhaus, der ein ums andere Mal von seinem Platz aufsprang, um sich ausgiebig aufzuregen, während der Trainer von Energie Cottbus für seine Verhältnisse fast schon gelassen daher kam. Das Duell in der Kategorie aktiverer Fußballtrainer ging dennoch klar an den Cottbuser Coach Wollitz.

Möglicherweise wusste Uwe Neuhaus schon vorher von den Gepflogenheiten seines Kollegen. Immerhan hatte Unions Trainer „ein Spiel voller Emotionen und Leidenschaft“ angekündigt – er hatte damit wohl vor allem seine Spieler anstacheln wollen. Die Protagonisten auf dem Platz setzten die hohen Erwartungen des Berliner Coaches dann allerdings nur bedingt um. Beide Mannschaften begannen vor 18 212 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei eher uninspiriert und ohne einen zumindest erkennbaren Plan. Wirkliche Torchancen in der ersten Viertelstunde? Fehlanzeige. „Wir haben zu Beginn nicht viel zustande gebracht“, sagte auch Energies Trainer Wollitz. Für die Emotionen waren zunächst vornehmlich die Fandelegationen beider Mannschaften zuständig.

Den Unionern war immerhin zu attestieren, dass sie organisierter und einen Tick genauer im Passspiel auftraten als die Cottbuser. Das erste halbe Schüsschen in Richtung Energie-Keeper Gerhard Tremmel setzte Torsten Mattuschka nach 15 Minuten noch übers Tor – schien damit aber seine Mitspieler aufzuwecken. Danach agierten die Köpenicker deutlich konzentrierter und erarbeiteten sich nach einem Freistoß von Mattuschka durch Macchambes Younga-Mouhani eine weitere gute Chance. Ohnehin brachte der muntere Torsten Mattuschka viel Schwung ins Berliner Mittelfeld. Auch in der 25. Minute war das so, als er am Rande des Strafraums von Alexander Bittroff nur durch ein Foul zu stoppen war. Der fällige Freistoß landete dann passgenau im rechten Èck des Cottbuser Tores. Getreten hatte ihn natürlich Mattuschka.

1:0 für Union. Nach drei Niederlagen in Folge ein durchaus positives Zwischenergebnis, das auch zeigte, dass der Mut und die Experimentierfreude von Neuhaus offenbar berechtigt waren. Während die Cottbuser mit derselben Elf antraten, die vergangene Woche beim 3:0 gegen Oberhausen erfolgreich war, nahm Neuhaus aufseiten der Köpenicker erneut Umbauarbeiten an seiner zuletzt sieglosen Mannschaft vor. Überraschend ließ er neben Marco Gebhardt auch Mittelfeldspieler Hüzeyfe Dogan anfangs nur zuschauen. Dafür kehrten Shergo Biran und Michael Bemben zurück ins Team.

Nach und nach wusste Cottbus mit diesen Umstellungen des Gegners umzugehen. Hatten die Laustizer sich in der ersten halben Stunde noch durch vornehme Zurückhaltung ausgezeichnet, schafften sie es nun ein ums andere Mal aussichtsreich vor das Tor der Berliner. Ihre beste Chance in Person von Leonard Kweuke parierte Jan Glinker jedoch in der ersten Hälfte noch. In den zweiten 45 Minuten dann machten es die Lausitzer besser. Sie traten deutlich mutiger auf – und wurden dafür belohnt. Nach Kopfballvorlage von Markus Brzenska traf Leonard Kweuke aus kurzer Distanz zum 1:1. Energie hatte nun mehr Chancen – noch ein Tor wollte dem Team von Wolitz aber nicht mehr gelingen. Auch so hatte Unions Trainer ohnehin genug damit zu tun, sich über den einen Treffer aufzuregen. „Wir sind mit einer absoluten Schläfrigkeit aus der Kabine gekommen“, sagte er nach dem Spiel. „Ich ärgere mich schwarz darüber, dass wir das Spiel so leicht aus den Händen gegeben haben.“ Verbal lag der Trainer des 1. FC Union an diesem Abend vorn.

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