Sport : Silber und Bronze sind Gold wert Zaituc und Oberem holen Medaillen im Marathon

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Von Jörg Wenig

München. Es war fast genau zehn Jahre her, dass ein deutscher Marathonläufer zuletzt eine Medaille gewann. Stephan Freigang wurde bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona sensationell Dritter. Gestern nun gab es überraschend gleich zwei Medaillen für die deutschen Marathonläuferinnen bei der EM von München: Hinter der Siegerin Maria Guida (Italien/2:26:05 Stunden) liefen Luminita Zaituc (Braunschweig/2:26:58) und Sonja Oberem (Leverkusen/2:28:44), angetrieben von mehreren hunderttausend Zuschauern in der Münchner Innenstadt, zu Silber und Bronze.

Zaituc, die 1990 aus Rumänien nach Deutschland gekommen war, ist ein relativer Marathon-Neuling, Oberem läuft über 42,195 km seit Jahren hinterher. „Für mich war dieser zweite Platz keine Überraschung. Ich hatte sehr gut trainiert und mir sogar den Sieg zugetraut“, sagte die 33-jährige Zaituc, die erst im Frühjahr 2001 ihren ersten Marathon gelaufen war. Damals wurde sie Zweite in Hamburg. In München war sie die komplette erste Hälfte des Rennens gemeinsam mit der Belgierin Marleen Renders an der Spitze des Feldes gelaufen. Renders war von der persönlichen Bestzeit her die Schnellste im Feld, doch eine Muskelverletzung stoppte sie noch vor der 25-km-Marke.

„Ich merkte, dass sie langsamer wurde und wollte nicht alleine an der Spitze weiterlaufen. Deswegen ließ ich die beiden Verfolgerinnen herankommen“, sagte Luminita Zaituc. Doch nur kurz liefen Zaituc, Oberem und Guida zusammen. Dann zog die Italienerin davon. Auch das Publikum konnte Zaituc nicht mehr helfen im Kampf um Gold. „Mir brummte der Kopf, so laut war es an der Strecke.“ Sonja Oberem war überwältigt von der Stimmung: „So etwas habe ich noch nie erlebt - es war der Wahnsinn“, sagte sie. Oberem muss es wissen. Denn die frühere Triathletin ging seit den Weltmeisterschaften 1995 in jedem Jahr bei den jeweiligen internationalen Titelkämpfen an den Start. Doch bis gestern musste sie auf eine Medaille warten. Achte war sie schon bei Olympia 1996, die Ränge acht, sieben, sechs und fünf belegte sie bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften. „Diese Medaille zu gewinnen, war mein großer Traum“, sagte Oberem.

Als Guida und Zaituc „nach 25 km wegliefen und ich auf dem schweren Kurs eine Schwächephase hatte, dachte ich schon, jetzt wirst du wieder Fünfte“. Doch von hinten musste Oberem keine Konkurrenz mehr fürchten. Das lag freilich auch daran, dass bei diesem EM-Marathon nur ein kleiner Teil der europäischen Spitzenläuferinnen am Start war. Zu unattraktiv ist für viele ein EM-Marathon. Das galt freilich nicht für Luminita Zaituc und Sonja Oberem. Für die beiden sind Silber und Bronze Gold wert.

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