Ski Alpin : Ein Mann wird erwachsen - und schneller

Bode Miller holt den Weltcup-Gesamtsieg in der Kombination. Die Eskapaden von früher scheinen der Verangenheit anzugehören, und seine Gegner zollen dem US-Boy Respekt.

Josef Metzger[Val D’Isere]
Bode Miller
Bode Miller saust die Piste runter. -Foto: ddp

31 Jahre ist Bode Miller inzwischen alt. Wenn der Einzelgänger aus Franconia im US-Bundesstaat New Hampshire nicht gerade im Wohnmobil unterwegs ist, dann fährt er unglaublich schnell die Pisten herunter. Das war auch gestern beim Rennen in Val d’Isere so, da holte sich Miller die erste Weltcupkugel eines Gesamtsiegers in dieser Saison – als Nachfolger des derzeit verletzten Norwegers Aksel Lund Svindal. Den Preis für den Sieger holte sich Bode Miller in der Super-Kombination (Abfahrt, Slalom) vor den zwei Kroaten Ivica Kostelic und Natko Zrncic-Dim.

Nach seinem Sieg gab sich Bode Miller bescheiden. „Das freut mich vor allem für unser Team“, sagte er. Damit allerdings meinte er keine Auswahl seines Landes. Miller ist zwar immer noch US-Amerikaner, hat sich aber von der Nationalmannschaft abgespalten, und tingelt mit dem Bode-Miller-Team durch den Weltcup – sehr erfolgreich. Denn jetzt dominiert er die Konkurrenz nicht mehr nur in der Abfahrt, sondern auch wieder im Slalom. In dieser Disziplin hat er zwei Jahre lang als Grenzgänger immer wieder Probleme.

Seit er sein eigenes Team hat, hält sich Bode Miller, einst als Nachtvogel berüchtigt, zurück. Die Eskapaden, die er früher lieferte, scheinen Vergangenheit zu sein. Im Familienbetrieb, zu dem auch sein Onkel gehört, muss aufs Geld geschaut werden, muss Bode Miller möglichst hohe Prämien einfahren neben seinen festen Gagen. Dieser finanzielle Druck hat ihn anscheinend motiviert – als wäre er in der neuen Rolle ein anderer, vernünftigerer Mensch geworden, ohne seine Originalität zu verlieren. Selbst seine Gegner zollen dem neuen Bode Miller ihren Respekt. Der Österreicher Mario Scheiber, Abfahrtszweiter von Kitzbühel auf der gefürchteten Streif, sagte anerkennend: „Hätte ich keinen Fehler gemacht in der Abfahrt, wäre ich nur Zweiter geworden. Denn zu schlagen war Bode nicht, er ist sensationell gefahren!“

Und mit seinen Sensationsfahrten von Val d’Isère hat Bode Miller schon sein großes Saisonziel erreicht. In der Gesamtwertung baute er mit 1067 Punkten seinen Vorsprung auf den Österreicher Benjamin Raich (945) aus. Der Tiroler, nach der Abfahrt bereits drei Sekunden hinter Miller zurück, fuhr mit der zweitbesten Laufzeit hinter Kostelic zwar noch auf Rang sechs, büßte jedoch weitere wichtige Punkte im Kampf um den Gesamtweltcup ein. Der Rückstand auf Miller beträgt nunmehr 122 Punkte. „Ich bin nicht ganz zufrieden, ein paar Fehler waren dabei“, sagte Raich.

So einfach, wie es etwa sein Konkurrent Schreiber sah, fiel Miller laut eigener Aussage das Siegen in Val d’Isere übrigens nicht. „Es war schwierig zu fahren. Mal war die Piste hart, mal weich“, sagte Bode Miller. „Wenn ich volles Risiko gefahren wäre, wäre ich sicher ausgeschieden.“ Davon allerdings schien Miller weit entfernt am Wochenende – zu groß war die Dominanz des US-Amerikaners.

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