Sport : Slalom in der Wüste

Christian Hönicke

An dieser Stelle aus aktuellem Anlass der Terminplan für die folgenden Wintersport-Tage: Ski-Langlauf in Cogne (Italien) – abgesagt. Skispringen in Harrachov (Tschechien) – abgesagt. Ski alpin der Frauen in St. Moritz (Schweiz) – abgesagt. Ski alpin der Männer in Val d’Isère (Frankreich) – abgesagt.

Auch wenn der Wintersport nicht jedermanns Sache ist, hat er eines in jedem Fall geschafft: Er hat die letzten Zweifler überzeugt. Wer immer noch nicht an den vom Menschen verursachten Klimawandel glaubte, ist spätestens seit dem regelmäßigen Wegbrechen der sonntäglichen 11.03-Uhr-Super-G-Übertragungen eines Besseren belehrt. Wegen Schneemangels und des ungewöhnlich milden Wetters jagt in Mitteleuropa eine Absage die nächste. Günter Hujara, der Renndirektor des Weltskiverbands FIS, kommt zu dem Schluss, dass man „das nicht mehr allein als Wetterkapriolen abtun“ könne.

Eine solche Einsicht fällt leichter, wenn die eigene Existenz bedroht ist. Sollte sich der Trend fortsetzen, steht der Wintersport im Freien zumindest in Mitteleuropa vor dem Aus. Als Antwort auf die grünen Berghänge werden nun Skihallen gebaut, die mit ihrem verschwenderischen Energieumgang den Klimawandel nur noch weiter forcieren. Die deutschen Slalomfahrer hielten ihr Trainingslager in diesem Jahr wegen Schneemangels in einer solchen Skihalle ab – mitten in der Wüste von Dubai. Ein Wintersportler ist eben auch nur ein Mensch. Wenn er etwas reparieren will, macht er nur noch mehr kaputt. Seite 27

0 Kommentare

Neuester Kommentar