Sport : „So gut wie du werden wir es nicht mehr haben“ ULRIKE NASSE-MEYFARTH (50)

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Ich wollte immer Kinder. Kinder gehören dazu, ohne Wenn und Aber. Für Kinder muss man sich aber viel Zeit nehmen. Als unsere beiden Töchter Antonia und Alexandra klein waren, hat auch mein Mann geholfen, so gut es ging – das habe ich auch von ihm erwartet. Ob das neue Elterngeld, vor allem die zwei Betreuungsmonate für Väter, wirklich das Problem der wachsenden Kinderlosigkeit lösen, da habe ich aber meine Zweifel. Mein Mann ist selbstständig und kann seinen Beruf nicht für zwei Monate unterbrechen. Ich denke, wir in Deutschland haben ein anderes Problem: Noch immer haben wir mangelhafte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Ich selbst hatte Glück: Nach Ende meiner Sportkarriere bekam ich eine Anstellung bei Bayer und konnte dort später mit einer Halbtagsstelle Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren. Viele Mütter haben solche Möglichkeiten aber nicht, und hier ist der Staat gefordert. Gerade im Westen gibt es hier noch viel Nachholbedarf, und konservative Politiker, die behaupten, berufstätige Mütter vernachlässigten ihre Kinder, sind doch mitschuldig daran, dass wir zu wenig Nachwuchs in Deutschland haben!

Wie sehr wir Kinder brauchen, sieht man schon daran, wie stark unsere Gesellschaft altert. Auch darauf ist unser Land nicht gut genug vorbereitet. Ist die Rente wirklich sicher, wie wir immer hören? Meinen Kindern empfehle ich jedenfalls, selbst auch privat vorzusorgen. Sie haben Angst vor der beruflichen Zukunft – viel mehr, als das in meiner Generation der Fall war. Wenn sie dann sagen, „so gut wie du werden wir es nicht mehr haben“, dann sage ich ihnen, was ich vor allem bei meinem zweiten Hochsprung-Olympiasieg 1984 verinnerlicht habe: Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, wenn du gut bist, dann wirst du es auch schaffen. Diesen unbedingten Willen würde ich auch der Politik ein wenig öfter wünschen.

BERUF

Diplom-Sportlehrerin, Angestellte bei der TSV Bayer 04-Leichtathletikabteilung

LEBT IN

Odenthal bei Leverkusen

FAMILIE

Ein Bruder, verheiratet seit 1987, zwei Töchter,

13 und 17 Jahre alt

RENTENEINTRITT

2021

ALTERSVORSORGE

Gesetzliche Rente,

Betriebsrente

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