Sport : So hell, so schön, so selbstverliebt

Mit einer farbenfrohen und eigenwilligen Eröffnungsfeier beginnen die Winterspiele von Turin

Christiane Mitatselis[Turin]

Wohin man auch schaut, man sieht strahlende Frauen: Eiskunstläuferin Carolina Kostner, Trägerin der italienischen Fahne, Olympiasiegerin Stefania Belmondo, Entzünderin der olympischen Flamme, oder Schauspielerin Sophia Loren – sie lächeln auf den Titelseiten der italienischen Samstags-Tageszeitungen. „Bella bellissima“ seien sie alle gewesen, jubelt die Tageszeitung „La Stampa“, und: „Turin feiert mit der Welt“. In der Tat können Italiener Feste feiern, das haben sie am Freitagabend bei der Eröffnung der 20. Winterspiele vor 35 000 Zuschauern im Stadio Olimpico bewiesen. Die Show war opulent, sie war ein bisschen selbstverliebt und sie war sehr italienisch: 6500 Künstler wirkten mit an dem mehr als dreistündigen Spektakel, das unter dem Motto „Passion lives here“ stand und in den Hauptfarben Rot (wie Leidenschaft) und Weiß (wie Eis und Schnee) gehalten war. Es gab ein bisschen von allem: Feuerwerk, Tanz, Akrobatik, Oper und Auszüge aus Dantes „Göttlicher Komödie“ als Gruß an die Athleten.

John Lennons Witwe Yoko Ono durfte vom Weltfrieden sprechen, Peter Gabriel John Lennons „Imagine“ vortragen. Und es gab noch mehr schöne Frauen zu sehen. Das Turiner Sänger-Model Carla Bruni trug die italienische Landesfahne ins Stadion, auch sie bella bellissima. „La macchina“ (das Auto) ist auf Italienisch weiblich, und für „la macchina“ verspüren die Italiener ebenfalls viel Leidenschaft, für die sich – besonders in der Fiat-Stadt Turin – überhaupt nicht schämen. So wurde mit unverschämter Selbstverständlichkeit ein feuerroter Formel-1-Ferrari, versehen mit olympischen Ringen, in die Show integriert. Ferrari gehört eben zur Fiat-Gruppe, und so durfte sich Pilot Luca Badoer unter lautem Motorengetöse und großem Jubel im Publikum daran versuchen, olympische Ringe auf den Boden zu fahren. Man konnte für einen Moment meinen, man sei in eine Formel-1-Präsentation in Maranello geraten. Ferraris Präsident Luca di Montezemolo strahlte auf der Ehrentribüne in die Kameras angesichts der gelungenen Werbeveranstaltung vor geschätzten zwei Milliarden Fernsehzuschauern – davon allein 8,5 Millionen in Deutschland.

Vor lauter Begeisterung nahm John Elkann, Enkel und Erbe des legendären verstorbenen Fiat-Präsidenten Gianni Agnelli, umgehend Kontakt zum Jenseits auf. „Mein Großvater wäre stolz auf Turin gewesen“, verkündete der Fiat-Vizepräsident. „Ich stelle mit vor, wie glücklich er gewesen wäre, unsere Stadt so hell und so beleuchtet zu sehen, so froh und so glücklich.“ Glücklich gemacht hätte Agnelli sicher auch, dass die Eröffnungszeremonie ohne Zwischenfälle verlief. Die Sicherheitskontrollen funktionierten perfekt, die mehr als 40 Staats- und Regierungschefs, unter ihnen Bundespräsident Horst Köhler und Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi, der die Spiele offiziell eröffnete, durften sich sicher fühlen. Trotzdem zog es Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor, der Feier fernzubleiben – wegen „Terminproblemen“. Die deutschen Athleten, die in großer Mannschaftsstärke und bunt gekleidet das Stadion betraten, hatten jedenfalls nichts auszusetzen. Rodel-Legende Georg Hackl fand sogar: „Das war eine Supershow.“

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