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So läuft die Bundesliga-Rückrunde : Hoffenheim in die Roboterliga

24.12.2012 07:26 UhrVon Matthias Brandt
Matthias Brandt, 51, ist vor allem bekannt durch seine Rolle als „Polizeiruf“-Kommissar Hanns von Meuffels. Seine Liebe zum Fußball entdeckte der gebürtige Berliner schon früh. Sein Herz verlor er 1985 während seiner ersten Theater-Anstellung in Oldenburg an Werder Bremen. Seitdem geht Brandt regelmäßig ins Weserstadion und schweigt. Aus Überzeugung, nicht aus Protest.Bild vergrößern
Matthias Brandt, 51, ist vor allem bekannt durch seine Rolle als „Polizeiruf“-Kommissar Hanns von Meuffels. Seine Liebe zum Fußball entdeckte der gebürtige Berliner schon früh.... - Foto: ddp

Winterpausenzeit heißt Stammtischzeit. Der Schauspieler Matthias Brandt entwirft sein persönliches Drehbuch für den Verlauf der Rückrunde in der Fußball-Bundesliga.

Weihnachten, Wolfsburg. Es klopft an der Tür. Klaus Allofs (zögerlich): „Ja, was ist denn?“ Francisco Javier Garcia Sanz tritt ein. Der VW-Boss wedelt mit einem Blatt Papier. Garcia Sanz (selbstsicher): „Hier, Klaus, der Vertrag für Bernardo.“ Allofs zuckt zusammen. Hatte er seinem Chef denn gar nicht darüber informiert, dass er bereits Dieter Hecking als neuen VfL-Trainer verpflichtet hatte?

27. Dezember, Hannover-Langenhagen. Ein Journalist sitzt im Flughafenrestaurant und wartet. Ein paar Tische weiter: Uli Hoeneß und Willi Lemke trinken Champagner.

Der Informant, ein ehemaliger SAP-Spitzenprogrammierer, tritt auf. Er berichtet dem Journalisten, wie er vor sechs Jahren für Dietmar Hopp eine Fußballspielersoftware habe entwickeln müssen. Dieses Programm sei den damaligen Spielern der TSG Hoffenheim auf eingepflanzten Chips installiert worden. „Stellen Sie sich das einmal vor: Die waren ferngesteuert! Maschinen!“, ruft er (empört).

30. Dezember, Gelsenkirchen. Horst Heldt raucht und raucht und raucht. Schließlich gibt der Schalke-Manager seinem Bauchgefühl nach: Er schickt Jens Keller zurück zur B-Jugend und ernennt stattdessen Lothar Matthäus zum neuen Trainer.

31. Dezember, Wolfsburg. Allofs hat sich in seinem Büro verschanzt und grübelt. Wie soll er das Ding mit Dieter bloß seinem Chef erklären? Dann stößt er bei seiner Vereinshymnenrecherche auf ein Foto von Frank Zander. Genial, denkt Allofs.

1. Januar, Hannover-Langenhagen. Bei dem ersten Treffen nach ihrer Versöhnung liegen sich Hoeneß und Lemke im Flughafenrestaurant in den Armen. Lemke (betont mitfühlend): „Ist es wirklich so schlimm, Uli?“ Hoeneß (verzweifelt): „Schlimmer. Manchmal denke ich, der Sammer ist der Herbert Wehner des Fußballs! Immer diese Kacklaune, ich kann nicht mehr, Willi!“ Lemke (hoffnungsfroh): „Armer Uli, dann komm doch zu uns nach Bremen.“ Hoeneß (noch verzweifelter): „Ja, Willi. Aber was mach’ ich denn nur mit dem Franck? Den kann ich doch nicht mit dem Irren alleine lassen.“ Lemke (verschlagen): „Bring ihn doch mit. Und vielleicht auch den Alaba?“

2. Januar, Hannover-Langenhagen. Wenig los im Flughafenrestaurant. Erleichtert sitzt der Bayern-Präsident und designierte Bremer Sportdirektor Uli Hoeneß an einem Ecktisch und führt mit sich selbst die Transferverhandlungen in Sachen Ribéry und Alaba. Dazu: Grünkohl mit Bregenwurst und Lüttje Lage.

3. Januar, Salzburg. Ralf Rangnick bestätigt dem Journalisten all die Ausführungen seines Informanten. „Aber wir haben die Chips vor vier Jahren in der Winterpause wieder entfernen lassen“, sagt der damalige TSG-Trainer, „oder glauben Sie, ein Tim Wiese sei zurzeit programmiert?“ Nein, das glaube er nicht – oder aber Wieses Software hätte einen schlimmen Virus.

4. Januar, Wolfsburg. Francisco Javier Garcia Sanz stutzt. Schon wieder hat er diese bezaubernde Melodie in den Ohren. Garcia Sanz (entzückt): „Bernardo, qué canción es, qué siempre pitar?“ Schuster pfeift weiter. Ein Stinkstiefel, der Bernardo, denkt sein spanischer Vorgesetzter und wiederholt auf deutsch: „Bernd, was pfeifst du da für ein Liedchen?“ Und Schusters Augen werden plötzlich groß, größer, sie beginnen zu funkeln, und er singt: „Nur nach Hause, nur nach Hause...“

5. Januar, Gelsenkirchen. Zum ersten öffentlichen Training nach der Verpflichtung von Matthäus kommen: zwei Schalke-Fans, die von Lothar noch nichts wussten.

10. Januar, Bremen. Uli Hoeneß steht neben Willi Lemke im Blitzlichtgewitter. Als neuer Sportdirektor bekommt der Fleischfabrikant zur Begrüßung einen Zuchthahn überreicht.

14. Januar, Deutschland. Die Nachricht verbreitet sich schnell: Riesenskandal in der Bundesliga! Bereits drei Stunden später wird beim Deutschen Fußball-Bund so getan, als sei nichts gewesen. Wie Hamburg damals bei Roland Schill: „Hoffen...- wie? Kennen wir nicht, tut uns leid.“ Der DFB schiebt die Hopp-Mannschaft einfach in die neue Roboterliga und lässt diese von SAP sponsern, fertig. Und da sind es nur noch siebzehn.

15. Januar, Katar. Beziehungsweise sechzehneinhalb. Der klamme Hamburger SV erliegt dem lukrativen Angebot, seine Heimspiele künftig in Katar auszutragen. Und überhaupt: Der HSV befindet sich permanent auf Reisen und lässt sich buchen für Freundschaftsspiele in den entlegensten Ländern der Welt.

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