So taktieren Löw und Prandelli : Offensiv spielen und reagieren

Sowohl Bundestrainer Joachim Löw als auch sein italienischer Kollege Cesare Prandelli wollen offensiv spielen lassen, das Spiel bestimmen. Entscheidend ist aber auch, wer besser auf die Offensive des Gegners reagieren kann.

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Hat er die Lösung im Stutzen? Bundestrainer Joachim Löw will den Italienern sein Spiel aufdrängen. Das Problem: Italiens Trainer Cesare Prandelli will genau das auch.
Hat er die Lösung im Stutzen? Bundestrainer Joachim Löw will den Italienern sein Spiel aufdrängen. Das Problem: Italiens Trainer...Foto: AFP

Es ist eine philosophisch-logische Frage, ob es überhaupt möglich ist, mit einer Überraschung zu rechnen vor dem heutigen Halbfinalspiel bei der Europameisterschaft in Warschau. Angekündigt haben der italienische und der deutsche Trainer auf jeden Fall, dass sie offensiv spielen möchten, offen ist nur, wer sich mehr nach wem richten muss. Den Anspruch, zu bestimmen, haben beide. Eigene Offensive und die Reaktion auf den Gegner müssen sich aber nicht widersprechen, sondern ergänzen sich im besten Fall. Wer dies besser kann, hat auch größere Chancen auf das Finale. Sicher ist nur, dass dem Verlierer auch taktische Fehler vorgehalten werden.

Italien hat keinen Maulwurf und bis der deutsche Maulwurf spricht, bleibt auch die Aufstellung spekulativ. Kehrt Bundestrainer Joachim Löw zu dem in den ersten Spielen bewährten Offensivpersonal zurück? Oder bringt er eine Mischung, weil Miroslav Klose besser im Rückwärtspressing gegen den oft sehr tief agierenden und unter Druck auch Fehler produzierenden Andrea Pirlo ist und ihm den benötigten Raum und die Zeit nimmt? Oder stellt er gar, Überraschung, den defensiv stärkeren Toni Kroos in die Zentrale und Mesut Özil kommt über außen?

Andrea Pirlo könnte in der rautenähnlichen Formation der Italiener auch weiter nach vorne gehen, von dort seine Pässe über die Abwehr hinweg spielen und Daniele De Rossi, der ohnehin oft hinten einrückt, spielt vor der Abwehr, die wieder aus einer Viererkette analog zur Breite des deutschen Spieles bestehen dürfte. Vorne gibt es viele Fragezeichen bei den Italienern. Spielt offensiv Antonio Cassano etwas versetzt und beschäftigt somit die deutschen Sechser? Oder stürmt Alessando Diamanti? Die Aufstellungen hängen entscheidend mit der jeweiligen taktischen Ausrichtung der beiden Halbfinalgegner zusammen, Italien hat mehr grundsätzliche Optionen als Deutschland und auch entsprechend geschulte Spieler. Deshalb ist auf beiden Seiten heute vieles möglich. Philosophisch, logisch, und überhaupt.

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