Sport : Solidarität unter Unbezähmbaren

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Esther Kogelboom über die unbegrenzten Möglichkeiten der Trikotage

Serena Williams ist cool. Das fiel ja schon bei den German Open im Grunewald auf, als sie unmittelbar nach der Finalniederlage gegen Justine Henin mit einem fetten Grinsen im Gesicht im Pressezentrum erschien - und zwar komplett umgezogen. Beim Endspiel klebte ihr noch ein orangefarbenes Trikot am Leib, zur Pressekonferenz wölbte sich ihr Po schon unter einer rosa glitzernden Trainingshose. Am Arm hatte sie eine Miniatur-Handtasche, deren Jagdszenen-Applikationen (Füchse, Hunde, Schießgewehre) sich auf ihrem piratenmäßig drapierten Kopftuch wiederholten. Die Turniergewinnerin Justine Henin, der selbstverständlich jeder Respekt gebührt, sah im direkten Vergleich zu der Amerikanerin aus wie ein schlaffes Hühnchen.

Und nun hat die jüngere der Williams-Sisters trikottechnisch noch eins draufgesetzt, siehe unten. Frau Williams in den Kameruner Nationalfarben. Und was soll das? „Ich finde die Jungs gut, weil sie immer so kämpfen“, meinte sie. Mit ihrer Kämpfernatur liegt die Kameruner Nationalelf offenbar voll auf Williams’ Höhe. Und sie haben ja auch so einen schönen Spitzn: Unbezähmbare Löwen sollen sie sein, die Kameruner. Stolze Könige der internationalen Tierwelt. Winfried Schäfer, das langmähnige Alpha-Tier der Kameruner, äußerte sich bisher nicht zu der grün-gelb-roten Unterstützung vom Tennisplatz.

Wohl aber sagte er: „Wir haben hier traumhafte Trainingsbedingungen. Das Drumherum ist die reinste Schwarzwald-Idylle.“ Ob die Löwen-Mannschaft im japanischen Nakatsue ab sofort jeden Morgen von Kuckucksuhren geweckt, zur Kaffeezeit mit regionaltypischer Kirschtorte gefüttert wird und abends ein halbes „Tannenzäpfle“-Bier bekommt? Oder ob Serena Williams mit drei rotgefärbten Tennisbällen auf dem Kopf in die nächste Runde der French Open geht, um ihre Solidarität mit Winnie und den Kamerunern zu bekunden? Oder ob die Kameruner sich bei Serena Williams erkenntlich zeigen und bei ihrer ersten Begegnung gegen Irland Fuchsschwänze tragen?

Wie auch immer – interdisziplinäre Solidarität unter Sportlern ist en vogue. Ausnahmen, wie der senegalesische „Medizinmann“, der Zinedine Zidane mal schnell das Knie verhexte, bestätigen die Regel. Übrigens: sich das Trikot nach einem geglückten Tor vom Leib zu reißen, ist zum Glück wieder erlaubt. Allerdings darf auf dem Unterhemd keine politische oder Werbebotschaft stehen, wohl aber ein Bild des Erstgeborenen, der Liebsten oder einer Tennisspielerin.

Fraglich ist natürlich, ob unbezähmbare Löwen überhaupt Unterhemden anhaben – auf dem Mannschaftsfoto in der „Kicker“-Sonderausgabe zur WM sieht es so aus, als trüge Rigobert Song, abgesehen von einer Tätowierung, nicht unbedingt viel unter der luftigen Trikotage - Serena Williams dürfte das gefallen.

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