Sorgen bei Eintracht Frankfurt : Ein Aufstieg mit alten Problemen

Eintracht Frankfurt spielt in der nächsten Saison wieder erstklassig – aber plagt sich schon jetzt mit den Fans, dem Trainer und den Ansprüchen.

von
Und ewig jubelt der Oka. Frankfurts Torwart Nikolov (Mitte), seit 21 Jahren im Klub, feiert mit den Fans seinen vierten Aufstieg. Foto: dapd
Und ewig jubelt der Oka. Frankfurts Torwart Nikolov (Mitte), seit 21 Jahren im Klub, feiert mit den Fans seinen vierten Aufstieg....Foto: dapd

Und wieder stürmten die Fans von Eintracht Frankfurt auf den Rasen. Wie vor einem Jahr, als im Angesicht des Abstiegs die Wut bei den Anhängern durchbrach und die Fans auf den Rasen in Köln rasten. Diesmal war das Ziel jedoch keine zu zerstörende Fernsehkamera, in die man vorher noch einmal hineinschaut. Sondern Oka Nikolov.

Nach dem 3:0-Sieg bei Alemannia Aachen hielten die diesmal freudetrunkenenen Fans auf den ewigen Eintracht-Torwart zu, der gerade zum vierten Mal nach 1998, 2003 und 2005 mit Frankfurt in die Bundesliga aufgestiegen war. Der 37-Jährige, seit 21 Jahren im Verein, konnte einem Fernsehreporter gerade noch sagen, „dass wir überglücklich sind, dass wir es geschafft haben“, da war er schon von einer „Aufsteiger!“ rufenden Gruppe Fans umringt, die ihn fast zu Boden herzte.

Von der Aufstiegseuphorie ließ sich sogar der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen anstecken. Der knorrige Ostwestfale hatte zuvor noch angedeutet, dass es keine Aufstiegsfeier auf dem Frankfurter Rathausbalkon geben werde. Zu schmerzhaft sei der Abstieg im Vorjahr gewesen, als man vom Hinrundenplatz sieben ins Bodenlose abstürzte. Nun stellte er zumindest eine Aufstiegsparty im letzten Heimspiel am Sonntag gegen 1860 München in Aussicht. „Da freuen wir uns schon drauf“, sagte er.

Freuen konnte sich der 63-Jährige jedoch nicht lange, trotz einer neuen Rekordpunktzahl und der treffsichersten Offensive der Zweiten Liga. Denn gleich wurde er mit den alten Problemen konfrontiert, die die Eintracht mit in die Bundesliga nimmt.

Da wären zum einen die Fans. Die hatten nicht nur schon während des Spiels Pyrotechnik abgebrannt. Als 1200 der 5000 mitgereisten Anhänger den Platz stürmten, zerstörten sie ein Tor und sorgten für einen Schaden von 75 000 Euro. Nach dem Spiel mussten die Polizei Aachener und Frankfurter Fans mit Pfefferspray trennen.

Wie im Abstiegsjahr hatten einige Fangruppen auch in der Zweitligasaison für negative Schlagzeilen gesorgt. Mit Pyrotechnik und Randalen, Attacken auf Fans des 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden sowie das  Besetzen des Gästeblocks des 1. FC Union trotz Stadionverbots. Dem muss sich der Verein annehmen, wenn er nicht in der Bundesliga für noch mehr Aufsehen sorgen will.

Das nächste Problem ist der Trainer. Armin Veh hatte sich bis zum feststehenden Aufstieg geweigert, über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages zu sprechen. Nachdem ihn seine Mannschaft auf Händen über den Rasen getragen hatte, sagte er: „Ich brauche eine Perspektive. Ich bin keiner, der mit Platz 15 zufrieden ist. Frankfurt hat im Normalfall mehr Möglichkeiten.“ Große Ansprüche hatten auch schon Trainer wie Michael Skibbe und Christoph Daum in Frankfurt.

Dem Stuttgarter Meistertrainer von 2007 schmeckt es nicht, dass für die Bundesliga nur ein Personal-Budget von 24 Millionen Euro zur Verfügung stehen soll – sechs Millionen weniger als im Abstiegsjahr. Für den teuersten Kader der Zweiten Liga wurde bereits das Festgeldkonto geplündert.

Trotz alter Stützen in Topform wie Alexander Meier (17 Saisontore), Benjamin Köhler (neun Tore, elf Vorlagen) oder Pirmin Schwegler, Talenten wie Sebastian Jung, Sebastian Rode und Sonny Kittel und neuen Leistungsträger wie Mohamadou Idrissou (14 Tore) fürchtet Veh, nur gegen den Abstieg zu spielen. Damit ist er nicht der Einzige im Verein.

Und das ist das dritte Problem Bruchhagens. Es mehren sich die Stimmen, die eine Abkehr vom finanzkonservativen Kurs fordern. Der neue Sportdirektor Bruno Hübner, an den Bruchhagen einiges an Macht abtreten musste, spricht schon davon, Spieler extern finanzieren zu lassen oder auf die höheren TV-Gelder ab 2013 vorzugreifen. Dabei hatten risikoreichere Transfers wie Theofanis Gekas und Halil Altintop die Eintracht auch nicht vor dem Abstieg bewahrt.

Und so heißt es für Bruchhagen: Da waren sie wieder, meine drei Probleme.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar