Sport : Spanien, Holland und sie selbst

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Der Österreicher verbirgt seine Abgründe hinter einer Fassade aus Höflichkeit. Dietmar Constantini, Trainer der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft, kennt diese Abgründe. Er hatte sich nach dem Debakel gerade gesammelt, da wurde er schon gefragt, ob er nun persönliche Konsequenzen zu ziehen gedenke. Die Frage war nicht nur ein Affront gegen Constantini, sondern auch gegen die gegnerische Mannschaft. Als wenn ein 2:6 gegen die Deutschen heutzutage noch ein Rücktrittsgrund wäre.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw repräsentiert inzwischen eine fußballerische Klasse, der die große Masse in Europa hilflos gegenübersteht. Acht Qualifikationsspiele hat sie zur EM 2012 bestritten, alle acht hat sie gewonnen. Eine solche Bilanz ist in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes einzigartig. Aber das Außergewöhnliche wird bei dieser Mannschaft immer mehr zum Normalfall. Mesut Özil hat ihre herausgehobene Stellung in den nur scheinbar generösen Satz gefasst: „Es gibt viele Mannschaften, die mithalten können.“ Mithalten.

Aber es stimmt ja: In ihrer aktuellen Verfassung werden sich die Deutschen gar nicht gegen die Favoritenrolle bei der EM wehren können. Was das mit der Mannschaft anstellt, ist eine durchaus spannende Frage – weil diese Konstellation vollkommen neu ist. Bei der EM 2008 galt schon Portugal im Viertelfinale als unüberwindliche Hürde, vor einem Jahr bei der WM schien nach der Verletzung Michael Ballacks selbst ein Aus in der Vorrunde denkbar. Vielleicht sollten sich die Deutschen ein wenig von dieser demütigen Haltung bewahren, Spanien nicht aus dem Blick verlieren, aber auch Holland nicht unterschätzen. Die beiden Mannschaften also, die bisher ebenfalls alle ihre Qualifikationsspiele gewonnen haben. Mithalten können die allemal.

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