Sport : Spanien-Rundfahrt: Mit gebremstem Elan

Jan Ullrich ist mit gebremstem Elan in die 55. Spanien-Rundfahrt gestartet. Enge Kurven und eine gefährliche Abfahrt auf dem 13,3 km langen Zeitfahrkurs und der hautnah miterlebte Sturz seines Teamkollegen Danilo Hondo sorgten bei dem Vorjahressieger im tropisch heißen Malaga für gedrosseltes Tempo. Rang 20 mit 43 Sekunden Rückstand auf den Tagessieger Alex Zülle (Schweiz) war für den Zeitfahr-Weltmeister aus Merdingen in seiner Parade-Disziplin nicht gerade das, was sich der Top-Favorit zum Auftakt vorgestellt hatte. Die gestrige zweite Etappe über 167,5 km von Malaga nach Cordoba brachte im Gesamtklassement keine Änderungen. In Andalusien schlug bei knapp 40 Grad Celsius die Stunde des spanischen Weltmeisters Oscar Freire, der auf die Tour de France verzichtet hatte. Im Finale ließ er der Konkurrenz im Massensprint - auch Mario Cipollini aus Italien - keine Chance. Bester deutscher Sprinter in Abwesenheit von Erik Zabel und Marcel Wüst war Danilo Hondo aus Cottbus unter den ersten zehn.

Gefahr für das Goldene Trikot Zülles bestand auf dem Weg nach Cordoba, auf dem lange der spanische Außenseiter Andres Bermejo allein an der Spitze lag, nicht. Der Schweizer, der sich vor der Vuelta mit seinem Team trotz geringerer Bezüge auf eine Vertragverlängerung geeinigt hatte, führt weiter mit zwei Sekunden Vorsprung vor dem Spanier Abraham Olano. Ullrich rollte am Sonntag im Hauptfeld über die Ziellinie. "Jan saß bei mir im Begleitwagen, als wir Hondo begleiteten. Sie war sehr gefährlich. Hondo stürzte in der ersten Kurve. Da hat Jan gleich gesagt: Heute fahre ich ohne Risiko", erklärte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage nach dem Zeitfahren.

"Ich hatte heute keinen Supertag", resümierte Ullrich nach dem Prolog, bei dem die Tour-Enttäuschungen Zülle und Olano Topform bewiesen. Die beiden Stars der konkurrierenden spanischen Teams Banesto und Once-Deutsche Bank dürften in den nächsten drei Wochen zu den Haupt-Konkurrenten Ullrichs zählen. Ullrich, rank und schlank wie selten als Profi, hatte auf dem Zeitfahr-Parcours Neuland betreten: "Wir konnten nicht auf der Strecke trainieren, sie war für uns mit dem Auto zu befahren."

Der verhaltene Start des Telekom-Top-Angestellten stellte Pevenage vor keinerlei Probleme: "Das ist vielleicht ganz gut so, wenn wir nicht gleich das Gelbe Trikot haben. Ich habe vor dem Start gesagt, die erste Zwischenrechnung machen wir am kommenden Sonntag. Bis dahin gibt es eine sehr schwere Etappe am Mittwoch und das zweite Zeitfahren in Tarragona. Danach sehen wir weiter."

Der vorher als vermeintlich härtester Ullrich-Konkurrent gehandelte Francesco Casagrande - auch die Nummer zwei hinter ihm in der Weltrangliste - hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Der Italiener startete bei der Venezien-Rundfahrt und wurde dort Zweiter. Tour-Sieger Lance Armstrong (USA), bei der Vuelta ebenfalls abwesend, bereitet sich in verschiedenen Zeitfahren auf Sydney vor.

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