Sport : Sparsam an die Spitze

Ein Treffer genügt dem VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund, um die Tabellenführung zu übernehmen

Oliver Trust

Stuttgart. Sie sind eine Mannschaft mit vielen Überraschungen, diese Stuttgarter. Als alle glaubten, der VfB komme mit gesenkten Häuptern von seiner ersten Reise in der Champions League zurück, da stürmt das Team von Trainer Felix Magath mit dem sechsten Spiel ohne Gegentor an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Und das mit nur sechs selbst erzielten Treffern. Nicht eben spannend ist das Ganze, nicht mitreißend, aber auch das 1:0 über Borussia Dortmund reichte für drei Punkte. Es ist das erste Mal seit der Saison 1996/97, dass die Stuttgarter wieder Tabellenführer sind. Kühl im Stil, ergebnisorientiert und eiskalt. Und Felix Magath hat seinen einsamen Rekord gegen Dortmund ausgebaut. Achtmal als Spieler und nun siebenmal als Trainer hat er nicht gegen die Borussia verloren.

Kevin Kuranyi ging mit einem breiten Grinsen vom Feld, als ihn Felix Magath ein paar Minuten vor Schluss auswechselte. Die Fans feierten ihn wie einen Helden. „Meister wird nur der VfB“, sangen sie und beklatschten die Männer in den weißen Trikots. Endlich hatte Kuranyi auch wieder in der Bundesliga getroffen. Dabei hatte lange nicht viel an diesem Nachmittag funktioniert, die Stuttgarter mühten sich mit kontrollierter Offensive, und die Dortmunder verweigerten jede Art von Angriffsleistung.

Es schien auf ein torloses Unentschieden hinauszulaufen, bis zu dem Moment als die Dortmunder Abwehr nicht dicht genug bei Kuranyi stand und dessen Flankengeber Vranjes nicht störte. Der Ball segelte auf den Kopf von Kuranyi. Dortmunds Torhüter Weidenfeller hatte gegen seinen Kopfball keine Abwehrchance. Der Treffer wirkte wie ein Weckruf für die Schwaben, die sich, als das Ergebnis von Bayerns 3:3 gegen Leverkusen auf der Videotafel aufleuchtete, an die Tabellenspitze gespielt hatten.

„Die Bayern spielen schon jahrelang so“, sagte VfB-Torwart Timo Hildebrand. „Warum sollen wir das nicht auch tun? Die Bayern sind ein Vorbild. Meister werden will schließlich jeder.“ Und selbst Magath legte alle Zurückhaltung ab: „Warum sollen wir die Fans bändigen, die von der Meisterschaft singen? Wir müssen kühlen Kopf bewahren. Ich werde die Erwartungen nicht zurückfahren. Wir haben mehr gemacht als der Gegner und deshalb verdient gewonnen.“

Das sahen auch die Fans der Dortmunder so. Sie blockierten am frühen Abend den Bus ihrer Mannschaft und diskutierten mit den BVB-Spielern. Zum Ende des Spiels hatten die erschütternd schwachen Dortmunder den Dienst mehr oder weniger völlig eingestellt, und die Stuttgarter versäumten, ein zweites oder drittes Tor nachzulegen. Vranjes und Tiffert hatten mehrfach die Gelegenheit dazu.

„Na, hoffentlich schreiben wir Geschichte“, sagte Kevin Kuranyi. „Wer will nicht Meister werden? Aber es ist noch ein weiter Weg.“ Der einzige Torschütze des Nachmittags war „erst einmal froh, dass ich heute getroffen habe. Ich habe nie aufgegeben und im Training so oft es ging aufs Tor geschossen. Mein Trainer hat mir sehr geholfen.“

Wenigstens in der letzten halben Stunde hatten die 35 000 Zuschauer im Gottlieb- Daimler-Stadion ein überzeugendes Spiel ihres Klubs gesehen, in der sie für den oft gähnend langweiligen Fußball entschädigt wurden. Borussia Dortmund allerdings blieb an diesem Nachmittag alles schuldig.

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