Sport : Spazierfahrt ins Glück

Alonso genügt in Brasilien ein Punkt zum Titel

Karin Sturm

Suzuka - Bei zehn Punkten Rückstand vor dem letzten WM-Rennen gibt sich Michael Schumacher keinen Illusionen mehr hin: „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht mehr an die Meisterschaft. Wir werden zwar in Brasilien alles geben, aber Fernando reicht ja schon ein Punkt.“

Die Geschichte der Formel 1 spricht in der Tat nicht unbedingt für ein Wunder. Die letzten ähnlichen Situationen im Titelkampf gab es 1996 und 2003. 1996 kam Damon Hill mit neun Zählern Vorsprung auf Jacques Villeneuve zum letzten Rennen und holte sich dann auch sicher den Titel – Villeneuve schied aus. 2003 brauchte Schumacher gegen Kimi Räikkönen noch einen Punkt. Den holte er auch als Achter, aber Räikkönen wurde sowieso nur Zweiter hinter Rubens Barrichello.

Eine ganz große Sensation im letzten Rennen gab es in der Formel-1-Historie nur einmal: 1986 hatte Nigel Mansell sechs Punkte Vorsprung auf Alain Prost und sieben auf Nelson Piquet. Der Engländer schien damals in Adelaide seinen ersten Titel nur nach Hause fahren zu müssen, zwei Punkte für den fünften Platz hätten ihm dazu genügt. Mansell lag auf einem sicheren dritten Rang, allerdings hatte es zuvor bei seinem damaligen Williams-Teamkollegen Piquet schon Reifenprobleme gegeben. Mansell wurde daraufhin von seiner Box verzweifelt aufgefordert, etwas langsamer zu fahren, was ihn aber überhaupt nicht interessierte. Schließlich flog ihm ein Hinterreifen um die Ohren und er von der Strecke. Alain Prost gewann – und holte sich völlig überraschend seinen zweiten Titel.

Dass sich Fernando Alonso in Interlagos ähnlich ungeschickt anstellt wie damals Mansell, ist freilich kaum zu erwarten. Der Spanier gilt als Meister der kalkulierten Fahrweise. Dennoch fühlt er sich noch nicht als Weltmeister: „Das Gleiche wie Michael hier kann auch mir in Brasilien noch passieren. Aber meine Ausgangsposition ist natürlich jetzt viel besser. Ich muss eigentlich nur das Rennen beenden. Aber es kann immer technische Probleme, einen Unfall oder einen Dreher geben, der einen ins Kiesbett befördert.“

Bei Renault wird man freilich sehr vorsichtig zu Werke gehen, um zumindest die Gefahr eines Ausfalls durch technischen Defekt so gering wie möglich zu halten. „Wir hätten zwar im Motorbereich noch einige Neuerungen und werden sie auch testen, aber ob wir sie auch einsetzen, ist noch eine andere Frage“, meinte Renault-Motorenchef Denis Chevrier. „Man muss da schon strategisch denken.“ Auf Zweikämpfe muss sich Alonso auch nicht mehr wirklich einlassen. „Fernando kann in Brasilien praktisch spazieren fahren und alles schonen“, sagte Michael Schumacher. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief geht, ist dann natürlich wesentlich geringer.“

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