Sport : Spektakel bis zum letzten Penalty

Die Eisbären siegen knapp 3:2 in Hamburg

Claus Vetter[Hamburg]

Schneeflocken, Feuerwerk, Lichteffekte und dazu seilte sich das gewöhnungsbedürftigste Maskottchen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), der „Freezer“, in seinem vage an die Comicfigur Batman erinnernden hellblauen Kostüm von der Hallendecke der Hamburger Arena auf das Eis ab: Es war wieder mal ein Spektakel, das den 13 000 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger Arena gestern vor dem ersten Bully geboten wurde.

Wahrscheinlich mögen die Verantwortlichen des Tabellenneunten befürchtet haben, dass der nicht planbare Teil des Nachmittags für sie unfreundlicher ausfallen würde. Schließlich spielte die zweitschlechteste Heimmannschaft der DEL gegen die beste Auswärtsmannschaft, den Tabellenführer aus Berlin. Doch tatsächlich war der sportliche Teil dann weit interessanter als das Rahmenprogramm, in dem die Eisbären schließlich nur knapp 3:2 (0:2, 1:0, 1:0/1:0) nach Penaltyschießen gewannen.

Freezers gegen Eisbären, das ist in der DEL eben etwas Besonderes. Beide Teams gehören schließlich zum gleichen Konzern, der Anschutz-Gruppe. Und mag dem Eigner schon mal egal sein, wer die Punkte bekommt, bei den Spielern sieht es anders aus: Bereits nach wenigen Minuten bekam Eisbären-Stürmer Nathan Robinson gestern zu spüren, dass es heftig zur Sache ging. Hamburgs Benoit Gratton musste nach dem brutalen Bandencheck gegen den Berliner allerdings mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe verdientermaßen vorzeitig in die Kabine.

Dass die Eisbären aus der folgenden fünfminütigen Überzahl kein Kapital schlagen konnten, war symptomatisch für ihre Bemühungen im Anfangsabschnitt. Die Berliner machten Druck, agierten aber zu umständlich gegen einen Gegner, der sich vom Zwang befreit hatte, in eigener Halle das Spiel machen zu müssen. Hamburg konterte, das allerdings in sehenswerter Manier. Gleich zweimal konnte Peter Sarno so Eisbären-Torhüter Youri Ziffzer überwinden.

Ab dem zweiten Drittel spielten die Eisbären effektiver. Andy Roach gelang das Anschlusstor, die Berliner gewannen an Souveränität. Der verdiente Ausgleichstreffer durch Roach anfangs des letzten Drittels war der Lohn dafür. Danach verpassten die Eisbären trotz Überlegenheit den Siegtreffer, dafür kassierte Alexander Weiß sogar noch eine Matchstrafe wegen eines Kopfchecks. Somit ging Hamburg in Überzahl in die Verlängerung, in der Steve Walker noch eine Zweiminutenstrafe bekam. Doch trotz Überzahl gelang den Freezers kein Tor, der Sieger musste im Penaltyschießen gefunden werden. Dort gelang Walker der Siegtreffer für die Berliner, die somit zwei Punkte bekamen, während es für Hamburg nur einen Punkt gab. Für die Eisbären war der Sieg besonders wertvoll, da Verfolger Frankfurt gegen Hannover mit einer 4:7-Heimniederlage patzte. Gegen die Hessen haben die Eisbären im Pokalfinale am 19. Februar 2008 übrigens Heimrecht, das wurde gestern am Rande des Spieles von Hamburg ausgelost.

Die Verantwortlichen des Eigners beider Teams konnten sich gestern in Hamburg immerhin damit trösten, dass die Punkte in einer Firma verteilt wurden. So sah es eine kleine Gruppe von Anhängern wohl auch – ironisch gesehen. So zog nach der Partie eine größere Fangruppe der Freezers singend aus der Halle: „Wir sind Scheiß-Millionäre.“ Als sie dann an ein paar Eisbären-Fans vorbeikamen, fiel den Hamburger Anhängern wohl ein, dass der Klub aus Berlin angesichts desselben Eigners ähnlich solvent gestellt ist. „Ihr seid auch Scheiß-Millionäre“, intonierten die Hamburger Fans in Richtung des Berliner Anhangs.

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